Retail Disruption

Im Handel entscheidet die Digitalisierung künftig über Top oder Flop. Digitale Innovatoren aus anderen Branchen bringen frischen Wind in die Handelslandschaft – und stellen Retailer und Marken vor neue Herausforderungen.
Retail Report 2017

Tesla Motors / www.teslamotors.com

Der Handel war eine der ersten Branchen, die von der Digitalisierung erfasst wurden. Bereits mit dem Aufkommen des elektronischen Handels (E-Commerce) Ende der 1990er Jahre waren die Veränderungen spürbar. Doch nur wenigen war die immense Umwälzung, die bevorstand, bewusst. Die meisten Händler machten weiter wie bisher – und trennten rigoros zwischen Online-Handel und stationärem Einzelhandel. Dieses Schwarz-Weiß-Denken erweist sich heute als folgenschwerer Fehler. Heute ist die digitale Disruption im Handel bereits in vollem Gange – sie kann weder ignoriert noch ausgesessen werden.

Die Bemühungen zahlreicher Händler, Multichannel- bzw. Omnichannel-Strategien zu etablieren, zeugen von der Brisanz des Themas. Wer sich jetzt noch nicht mit der eigenen digitalen Strategie auseinandersetzt, läuft Gefahr, den Anschluss an die neue, vernetzte Handelswelt zu verlieren. Die zweite digitale Revolution wird heftiger ausfallen als die erste. Es geht um weit mehr als die reine Verlagerung von stationären hin zu elektronischen Verkaufsorten, bei denen die gleichen Produkte angeboten werden. Der Trend zum Streaming führt dazu, dass sich Verkaufsprozesse, aber auch Produkte immer mehr digitalisieren.


Unser "Retail Report 2017"

Der Handel steckt mitten in der digitalen Disruption. Wer jetzt den Einstieg in die Vernetzung nicht schafft, bleibt auf der Strecke. Der Retail Report lädt Sie ein auf eine Reise in die Gegenwart der Zukunft und dient zugleich als Instrument, den Handel voranzubringen – online wie offline. Denn wir sind überzeugt: Der stationäre Retail bietet genügend Raum für Innovationsgeist  – es ist an der Zeit, diesen Raum zu nutzen. 

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Disruptionresistenz im Handel

Wie lässt sich die Resistenz gegenüber digitalen Veränderungen im Handel erklären? Zunächst gilt es, zwischen Europa – ganz besonders dem deutschsprachigen Raum – und anderen Regionen zu unterscheiden. Während die USA, Großbritannien, Australien, Kanada und China im Omnichannel-Retail führend sind, gibt es in Deutschland noch einiges zu tun. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland nur im Mittelfeld in Sachen Omnichanneling.

Gründe hierfür sind laut dem “Global Omnichannel Retail Index” von PwC zum einen der Preis-Fokus der in Deutschland zahlreich vertretenen Discounter, zum anderen die vielen inhaber- und familiengeführten Einzelhandelsgeschäfte, die oft eine konservative Haltung gegenüber neuen Technologien vertreten. Außerdem sind auch die Konsumenten hierzulande zurückhaltend in der Nutzung von Omnichannel-Angeboten. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen die Strategen von PwC ebenfalls für die Schweiz, Italien und Frankreich. Eine gewisse Resistenz gegenüber Omnichanneling-Strategien lässt sich also in verschiedenen Ländern Europas erkennen.

Disruptive Retail-Modelle

Das Konsumverhalten hat sich durch die Vernetzung grundlegend verändert. Man geht nicht mehr Einkaufen und besitzt danach ein Produkt, sondern man nutzt, teilt, Handeln ist kein linearer Akt mehr. bekommt, tauscht. Handeln ist kein linearer Akt mehr. Erfolgreiche Konzepte orientieren sich immer stärker an der Kreislaufökonomie. Drei Prinzipien des Verkaufens verändern die Wirtschaft und sorgen für Disruptionen im klassischen Handel.

1. Providing-Prinzip
Sich einen Leihwagen zu nehmen ist schon lange gängige Praxis. Doch noch vor wenigen Jahren war es undenkbar, sich Alltagskleidung zu leihen. Inzwischen setzen zahlreiche Konzepte wie Mud Jeans oder die Kleiderei auf das temporäre Besitzen von Kleidung – solange, bis sie abgetragen ist oder nicht mehr gefällt. Dann kann sie zurückgegeben oder getauscht werden. Der Trend zum Leasen von Produkten – gekauft wird die Nutzung, nicht mehr der Besitz – ist ein vielversprechendes disruptives Modell für den Handel.

2. On-Demand
Services und Produkte in Echtzeit und je nach Bedarf zur Verfügung zu stellen, ist inzwischen alltägliche Praxis der digitalen Wirtschaft – Netflix oder Apple Music sind bekannte Beispiele. In den Bereichen, in denen sich Produkte und Services digitalisieren lassen, wie z.B. Musik oder Video, sind On-Demand-Systeme auch im Handel erfolgreich und sorgen für eine Belebung des Marktes.

3. Software as a Service
Der Kosmetikhändler Birchbox und der Versandhändler für Rasierprodukte Dollar Shave Club gelten aktuell als wichtige Disruptoren im Bereich des Subscription Commerce. Dieser Trend im Handel basiert auf dem Prinzip “Software as a Service”: Abonniert wird der Service der regelmäßigen Lieferung von Produkten, im besten Fall optimal auf die Situation und die Bedürfnisse der Nutzer abgestimmt.

4. Consumer-to-Consumer-Plattformen
Die Sharing Economy sorgt für eine Wiederbelebung der Peer-to-Peer-Plattformen. Online-Tauschbörsen waren der Ursprung, inzwischen hat sich daraus ein Business- Modell entwickelt. Plattformen wie Uber und Airbnb bringen Konsumenten zusammen – und sind so erfolgreich, dass sie als die entscheidenden Disruptoren gehandelt werden, die die komplette Taxi- bzw. Hotelbranche umkrempeln.

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Dossier: Handel

Dossier: Handel

„Handel ist Wandel“ – das ist die Devise einer Handelslandschaft. Das Flächenwachstum im stationären Einzelhandel stößt an seine Grenzen, und im Internet wird die Handelswelt neu vermessen.

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