Flexible Workspaces

Sowohl die Arbeitszeit als auch der Ort der Arbeit werden immer flexibler. Man ist sozusagen immer und überall mit Hilfe der mobilen Vernetzung im Büro.

Quelle: Immobilien Report 2016

Quelle: WeWork

Die Verteilung von Sitzplätzen und Tischen in Büros hat sich in den letzten hundert Jahren stetig verändert, je nachdem, welche Anforderungen im Vordergrund standen: Offenheit oder Privatsphäre, Interaktion oder Autonomie. Der amerikanische Ingenieur Frederick Taylor war zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer der Pioniere in der Planung von Büros: Tische wurden eng in einem großen Raum aufgereiht; die Chefs hingegen konnten von ihren privaten Büros aus die Arbeiter beobachten. Während in Europa und speziell in Deutschland strenge Arbeitsstättenrichtlinien entstanden, die zu Millionen von Einzelbüros an langen Fluren führten, wurden in den USA Großraumbüros mit gigantischen Ausmaßen und wenig Tageslicht eingerichtet. Die frühen Formen der „Cubicles“ führten dort in einem nächsten Schritt zumindest zu etwas mehr Privatsphäre und akustischem Schutz. Dieses Modell des austauschbaren Arbeitsplatzes im Großraumbüro wurde zur Frühform der heutigen „Shared Desks“ mit wechselnden Mitarbeitern. 

In den 1960er Jahren wurde das Konzept des Großraumbüros in Deutschland durch die Idee der Bürolandschaft erweitert. Alle Beteiligten, sowohl Angestellte als auch Chefs, sollten theoretisch in der Lage sein, im selben Raum zu arbeiten, wobei unterschiedliche Konfigurationen der Tische verschiedene Zonen schafften – nebeneinander für administrative Zwecke, gegenüber für die Kreativen zur besseren Kommunikation. 

In den 1990er Jahren wurde schließlich ein anderes Konzept zum Standard, nämlich das Mischbüro: eine Kombination aus Großraumbüro und mit Glaswänden davon abgetrennten Einzel-, Doppel- oder Viererbüros. Das stetig wachsende Mittelmanagement war zu wichtig, um in der Masse zu sitzen, benötigte aber keine eigene Abteilung. Im digitalen Zeitalter haben sich die Umstände ein weiteres Mal radikal geändert. Das Entstehen von horizontalen Hierarchien, die wachsende Bedeutung von Teamwork, gleitende Arbeitszeiten und das mobile Büro im Laptop führen zu gleich mehreren Paradigmenwechseln. Welches neue Büro-Layout funktioniert am besten in dieser vernetzten Arbeitswelt?

Der Computer hat wesentliche Funktionen eines konventionellen Arbeitsplatzes erleichtert und mehrere Hardware-Komponenten überflüssig gemacht. Er ersetzt Aktenschränke und Archive, lässt Faxgeräte verschwinden, Ablagen, Briefausgang und -eingang, sogar die Möglichkeit zu Telefonie und Video-Konferenz befindet sich in ein und demselben Gerät. Dieses kann nicht nur mitgenommen werden, sondern ist auch von überall vernetzt nutzbar. Dadurch reduziert sich zunehmend die notwendige Größe des physischen Arbeitsplatzes, den das Unternehmen zur Verfügung stellt. Durch Laptop und Smartphone sind alternative Arbeitsplätze und -zeiten entstanden. Auch die Teamarbeit hat sich verändert: Man kann durch die digitale Vernetzung gemeinsam mit sich verändernden Gruppen an verschiedenen Orten zusammenarbeiten.

Der Arbeitsplatz wird zu einem Ort, an dem ein Unternehmen seine eigene Identität erschafft und für alle Mitarbeiter spürbar macht. Welche Erwartungen stellen die digitalen Kreativarbeiter an ihre Arbeitsumgebung? Welche Auswirkungen hat diese schöne neue Arbeitswelt auf die Gestaltung der Immobilie, den neuen Büroraum? Das klassische Büro muss zum einen als Raum, als Gebäude und als technologische Schaltzentrale, zum anderen sogar bis in die Oberflächen und verwendeten Materialien hinein überdacht werden.


Unser "Immobilien Report 2016"

Wie konzipieren, bauen und benutzen wir Immobilien im Zeitalter der Konnektivität? Und welche Rolle spielt Architektur als verbindendes Element zwischen virtueller und realer Welt? Im Immobilien Report 2016 liefern die Architekten von GRAFT Prognosen für den Immobilienmarkt und die Architektur der Zukunft.

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Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Dossier: Wohnen

Dossier: Wohnen

Weltweit steht die Bauwirtschaft vor Jahrzehnten spannender Aufgaben. Wir benötigen neue Mobilitäts-Infrastrukturen und Energie-Landschaften, Lösungen für partikulareres und gemeinschaftliches Wohnen - viel Raum für Planer und Verwirklicher.

Folgende Menschen haben mit dem Thema dieses Artikels zu tun:

Thomas Willemeit

Er ist Experte für nachhaltige Architektur, neue Mobilitäts-Infrastrukturen und die Magie wandelbarer Orte. Thomas Willemeit ist einer der drei Gründungspartner des renommierten Design- und Architekturbüros GRAFT.

Wolfram Putz

Er ist Experte für nachhaltige Architektur, neue Mobilitäts-Infrastrukturen und die Magie wandelbarer Orte. Wolfram Putz ist einer der drei Gründungspartner des renommierten Design- und Architekturbüros GRAFT.

Lars Krückeberg

Er ist Experte für nachhaltige Architektur, neue Mobilitäts-Infrastrukturen und die Magie wandelbarer Orte. Lars Krückeberg ist einer der drei Gründungspartner des renommierten Design- und Architekturbüros GRAFT.