7 Trends, die dank Corona den Durchbruch schafften

Corona hat vieles verändert, besonders im Rahmen der Megatrends New Work und Individualisierung haben sich durch die Pandemieerfahrungen neue Facetten ausgebildet. Diese 7 Trends hat Corona nicht hervorgebracht, aber enorm befeuert – und langfristig in den Mainstream katapultiert. – Eine Analyse von Nina Pfuderer.

Bild: Pexels/Vlada Karpovich

1. Remote Work

Was bis vor einem Jahr in vielen Unternehmen undenkbar war, wurde plötzlich Realität: Arbeiten im Homeoffice. Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten ist Remote Work mit digitaler Unterstützung zum New Normal für viele Organisationen geworden. Auch in Zukunft wird die Möglichkeit, nicht im Büro zu arbeiten, sondern zu Hause, an einem Third Place oder gar in einem anderen Land, das Work-Life-Blending entscheidend erleichtern. Remote Work ermöglicht Mitarbeitenden mehr Freiheiten. Mit der Pandemie ist Remote Work endgültig im Mainstream angekommen und wird die Arbeitswelt nachhaltig beeinflussen – denn viele Mitarbeitende können sich nicht mehr vorstellen, zu vollständiger Präsenz im Büro zurückzukehren.

2. Digital Divide

Der Digital Divide – oder die digitale Kluft – beschreibt Unterschiede im Zugang zu und in der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, insbesondere des Internets, sowie Unterschiede in den Fähigkeiten zur Nutzung dieser Technologien. Solche Unterschiede bestehen zwischen Volkswirtschaften und zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufgrund von technischen und sozialen Faktoren. Während der Pandemie ist der Digital Divide besonders sichtbar geworden: Beim Homeschooling zum Beispiel waren die Kinder, deren Eltern Laptops und Hilfeleistung bei technischen Problemen stellen konnten, klar im Vorteil. Herausforderung für die Zukunft ist es, die digitale Kluft zu überwinden.

3. Human Relations

Human Relations ist eine Alternative zum Human-Resources-Begriff, welche deutlich macht, dass Menschen nicht als Ressourcen für das Unternehmen gesehen werden, sondern dass der Beziehungsaspekt im Fokus steht. Gerade durch die Pandemie ist deutlich geworden, wie wichtig Kommunikation und Vertrauensbeziehungen unter Mitarbeitenden sowie mit der Chefetage sind – besonders in einem digitalen Umfeld. In dem Maße, in dem Werte und Einstellungen wichtiger werden – auch für die Frage, für wen Menschen arbeiten wollen –, müssen Personalverantwortliche in Zukunft sowohl wissen, welche Werte ihr Unternehmen anzubieten vermag, als auch, welche Werte die Menschen heute vertreten. HR entwickelt sich daher weiter in Richtung Beziehungsmanagement, denn Unternehmen sind im Kern soziale Systeme.

Die Megatrend-Map

Die Megatrend-Map

Der Wandel von Gesellschaft und Wirtschaft auf einen Blick: Die Megatrend-Map des Zukunftsinstituts verschafft Ihnen Überblick über die 12 Megatrends, ihre Subtrends und Überschneidungen.

4. Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit ist die grundlegende Überzeugung, als Individuum auf den Lauf der Dinge und die Welt Einfluss nehmen zu können. Erfahrungen der Selbstwirksamkeit sind ein natürliches Bedürfnis von Menschen. Wird es nicht erfüllt, fühlen wir uns schlecht. Gerade in Pandemiezeiten fühlten viele Menschen Hilflosigkeit und Ohnmacht. Dieser Mangel an Selbstwirksamkeit im privaten Bereich hat dazu geführt, dass sich das Bedürfnis nach Wirksamkeit immer mehr in den beruflichen Kontext verlagert hat. Unternehmen, die einen klaren Purpose anbieten, kommen diesem Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit entgegen und werden als attraktive Arbeitgeber angesehen.

5. Free Creativity

Die Kultur- und Kreativwirtschaft wird inzwischen als eigenständiges Wirtschaftsfeld verstanden. Sie umfasst die vielfältige Medienbranche und die Designwirtschaft sowie Architektur, Marketing, Künste und die rasant wachsende Gaming-Branche. Kreativität ist insbesondere in dieser, aber auch in anderen Branchen zur zentralen Ressource geworden, die es zu monetarisieren gilt. Wahre Kreativität lässt sich jedoch schwer erzwingen – sie braucht Freiräume. Gleichzeitig hat die Pandemie deutlich gemacht, wie wichtig die Kultur- und Kreativwirtschaft ist, und wie schützenswert. Denn erst als die Kultur- und Kreativbetriebe monatelang ausfielen, wurde uns klar, wie wichtig sie sind, für uns als Individuen – und für die Gesellschaft.

6. Self-Care

Das allgemeine Verständnis von Gesundheit erweitert sich immer mehr um den psychischen Aspekt. Self-Care bedeutet, ein Gespür für den eigenen Körper und Geist zu entwickeln und die eigenen Bedürfnisse besser zu erkennen und zu erfüllen. Der Trend zu Self-Care stellt einen achtsamen Umgang mit sich selbst in den Mittelpunkt und hat viele neue Kulturpraktiken wie Yoga, Meditation oder Urlaub im Schweigekloster etabliert. Die kollektive Pandemieerfahrung hat zu viel Einsamkeit geführt und kann auch psychische Krankheiten verstärken. Die junge Generation geht schon jetzt offen mit psychischen Problemen um und thematisiert diese – davon können sich ältere Generationen und auch Unternehmen etwas abschauen. Self-Care muss auch in der Wirtschaft einen Platz haben.

7. Social Cocooning

Social Cocooning beschreibt den Rückzug in die eigenen vier Wände. Es ist jedoch kein Zurückweichen in die Isolation, sondern setzt auf Gemeinschaft und Geselligkeit mit Freunden und Familie. Die Pandemie hat das Cocooning zur Norm gemacht und den eigenen vier Wänden einen immensen Bedeutungszuwachs gegeben. Social Cocooning verknüpft das Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Entspannung im eigenen überschaubaren Lebenskreis mit positiven Erlebnissen auf der Basis eines Miteinanders. Dieser Trend wird sich wahrscheinlich wieder etwas abschwächen, wenn das öffentliche Leben wieder stattfinden kann – doch wer einmal gemerkt hat, wie heimelig die eigenen vier Wände sind, wird Social Cocooning auch in Zukunft nicht missen wollen.