Future is history: Die Lehren aus Chinas Zeitverständnis

Ohne Geschichte keine Zukunft in der Gegenwart: China treibt die nächste Runde der Globalisierung voran: Wir sind auf dem Weg in eine multipolare Weltordnung. Chinas Erfolg gründet auf einem zyklischen Zeitverständnis, in dem Vergangenheit und Zukunft lediglich Orientierungspunkte sind, die aber wie ein Netzwerk miteinander zusammenhängen. – Ein Auszug aus dem China Report von Dr. Diana Kisro-Warnecke

So rasant wie China in den letzten Jahren aufgestiegen ist, so intensiv flüchtet sich das Land gerade in seine Vergangenheit. Die Herausforderungen für die Regierung sind riesig, da sehnt man sich nach den Erfolgen längst vergangener Zeiten – und nach ihren Lösungen. Die alte Seidenstraße dient schnell als Vorlage für die Entwicklungsstrategie „One Belt, One Road“ der chinesischen Regierung. Mehr als 100 Staaten sind schon dabei und helfen China blühenden Handel zu treiben. Zeitdruck im klassischen Sinne gibt es nicht. Die Chinesen planen viel Zeit für die Umsetzung ein: Zukunft und Vergangenheit bleiben nur Orientierungsgrößen – aber keine Ziele.

Chinesen denken Zeit kreisförmig, so trifft sich alles wieder. Die Zukunft entsteht dann ausschließlich aus der Vergangenheit. Was kommen kann, hängt vom „Netzwerk“ ab; welche Schätze man hebt, liegt im gekonnten Umgang mit vergangenen Entscheidungen. Und wer die Vergangenheit nicht kennt, hat keine Antwort auf die Entwicklungen der Zukunft. Was in Deutschland 100 Jahre dauerte, hat China in nur 30 Jahren geschafft: Aus einem armen, introvertierten Bauernstaat ist ein global agierendes Industrieland geworden. Mittlerweile steht China direkt hinter den USA als Wirtschaftsmacht an zweiter Stelle in der Welt. Der von Donald Trump zelebrierte Handelsstreit zeigt, wie nervös man in den USA ist. Dennoch hat man Sorgen in China.

Das Land ist mit einer Wirtschaft konfrontiert, deren schnelles Wachstum sich erwartungsgemäß abschwächt, wie auch die jüngsten Zahlen der Wirtschaftsforscher zeigen. Internationale Ökonomen winken zwar ab, führen das altbekannte Konzept des Lebenszyklus an, vertrauen auf die langfristig agierende Hand der chinesischen Führung.

Konfrontiert mit einer sich verlangsamenden Wirtschaft im Inland, hat Chinas Führung nun neue Strategien gefunden, um das Wachstum zu erhalten. Doch auch der Wachstumshunger der sich ebenfalls – allerdings langsamer – entwickelnden Nachbarländer ist erwacht. Ein Problem für China? Nein, es ist eher ein strategisch-diplomatischer Auftrag für die chinesische Parteiführung, der sich perfekt einfügt in die neue Strategie. Denn China will mehr. Und kennt hierzu eigene Erfolgsmodelle aus der chinesischen Geschichte.


Strategie-Reise

Wer über die Zukunft lernen möchte, muss nach China schauen. Das Zukunftsinstitut und Gaisberg Consulting haben darum mit ihren chinesischen Partnern ein Reiseformat entwickelt, das vor allem eine Frage beantworten soll: In welchen Bereichen haben chinesische Entwicklungen für mich und mein Unternehmen Relevanz?


Soft Power China

Während Xi Jinping stetig betont, dass es keinen kriegerischen Eroberungszug geben wird, ziehen viele Historiker lächelnd die Linie zur Roten Armada: Nein, China braucht die militärische Auseinandersetzung außerhalb des Landes nicht zu beginnen, weder im 15. noch im 21. Jahrhundert; denn der Krieg sei längst im Gange. China will positiver in der Welt wahrgenommen werden – Soft Power ist das Zauberwort. Daher wurden in den vergangenen Jahren viele Image-Projekte initiiert: Konzentrierte Massenevents mit internationaler Geltung brachten die Welt nach China – und China zeigte sich in einem faszinierenden Licht und als konsequenter Organisator. Das Land bereitete auch Epochen seiner Vergangenheit auf. Ähnlich wie das Projekt Seidenstraße wurde die Hochleistungsflotte, die Rote Armada, mit ihren Schatzschiffen zu Recht stolz hervorgezogen. Damit sollte der Weg geebnet werden, um die maritimen Interessen des Landes durch seine Geschichte zu begründen. Und sicherlich nicht durch Zufall wurde zeitgleich die neue Globalstrategie „One Belt, one Road“ geplant.

Pläne werden in China einfach umgesetzt. Genau deshalb besteht die faszinierende Möglichkeit, dass das Projekt „One Belt, One Road“ gelingt. Zudem lassen sich daraus besonders eindrucksvoll Konsequenzen für das heutige Wirtschaftsleben, aber auch der Nachdruck von Umsetzungsbemühungen in Bezug auf die begonnenen Großprojekte in China einschätzen. 

3 Lehren für das Business in China

  • Langzeitorientierung heißt: In China ist ein langer Atem für erfolgreiche Geschäfte notwendig; dabei ist Erfolg nicht unbedingt mit Gewinn gleichzusetzen.
  • Ein tiefes Verständnis der Kultur und der Geschichte ist essenziell – ohne dieses bleibt China ein Buch mit sieben Siegeln. Nur wenn die Herleitung gelingt, lassen sich Chancen im chinesischen Markt erschließen.
  • China plant strategisch und experimentiert vorab – wer den China-Entwicklungsplan bis 2049 kennt, wird die Veränderungen und Entscheidungen als wenig überraschend empfinden. Die langfristige Orientierung des Landes bietet auch für ausländische Player eine solide Grundlage für die Etablierung eines erfolgreichen Business.

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