Das Grounded Model

Foto: Matthew Cabret/Unsplash

18.06.2020

Das Denken in Geschäftsmodellen ist zu einer Mode in der Wirtschaft avanciert. Auf schicken Canvases werden Geschäftserfolge vordesignt, um damit harte Unternehmensziele zu erreichen. Die Radikalität der Coronakrise ändert nun nicht nur unsere Lebenswelten, sondern auch die Idee der Geschäftswelt. Zum einen wird sich der Unternehmenszweck deutlich stärker am gesellschaftlichen Wandel und an der Natur orientieren. Zum anderen wird das Arbeiten am Geschäftsmodell die sogenannten weichen Faktoren des Unternehmens berücksichtigen müssen. Dafür geeignete Techniken werden künftig die Welt der Geschäftsmodelle ergänzen.

Das Grounded Model: Ein ständiger Prozess

Es braucht also neue Wege, wie die sich permanent wandelnde Gesellschaft im eigenen Unternehmen mitgedacht und so zum inspirierenden Antrieb der eigenen Entwicklungen werden kann. Um dies pragmatisch anzupacken, erarbeiteten Marcel Aberle und sein Team im Zukunftsinstitut zusammen mit dem Business-Vordenker Stephan Grabmeier und unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Stefan Tewes, Professor für Digitale Transformation und Innovation an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management, das Grounded Model, ein Geschäftsmodell der Zukunft. Dieses soll Unternehmenden dabei helfen, das eigene Geschäft zu formen und zu gestalten – jedoch mit einer neuen Verbindung von Innen und Außen.

Das Grounded Model ist von der Komplexität der Welt geleitet. Es „denkt“ in Rückkopplungen und großen Kontexten. Es sieht das Entwickeln von Geschäftsmodellen als ständigen Prozess, nicht als Einmaltätigkeit. Wir sind überzeugt, dass Modelle der Zukunft eine Zukunftsdynamik beinhalten müssen. Diese Dynamik kommt aus den Kontexten Natur, Mensch und Gesellschaft. Von dort gerät sie erst in die Märkte und lässt sich in Geschäfte übersetzen. Fängt man direkt beim Business an, greift man zu kurz.

Das hier skizzierte Grounded Model geht einige Schritte weiter als herkömmliche Business-Modelle – aus der Beschränkung auf das rein Betriebswirtschaftliche heraus. Es schließt „die Welt“ mit ein und wird damit holistischer und komplexer – auf Basis valider forschungsmethodischer Grundlagen. Damit wird es möglich, empirische Zusammenhänge in ein Modell einzuordnen – und klare Handlungsanweisungen zu geben.

Das Grounded Model: How it works

Das Grounded Model dient zur Entwicklung grundlegender, tiefgreifender und wirksamer Entscheidungen in sozialen Systemen. Die Herleitung gegründeter Lösungen komplexer Probleme basiert einerseits auf der Abgrenzung zwischen Innen und Außen (Kontextraum des Referenzpunktes). Andererseits existieren im Medienraum zwei Kopplungsmöglichkeiten dieser Systeme: Sowohl die strukturelle Kopplung über die sprachliche Botschaft als auch über das Geld sind zur Aufrechterhaltung der Systeme notwendig.

Um tiefergehend gegründete Lösungen mit höchster Hebelwirkung (Spielzüge) zu generieren, werden konzeptuelle Bezeichnungen (Codes), dichtere Codecluster bzw. Bündel zusammenhängender Codes (Kategorien) mit einem höheren Abstraktionsgrad entwickelt. Die Hebelkraft der wirksamsten Kernkategorie ergibt sich aus der Dichte und der Sättigung des Medien- & Kontextraums.