8 gute Beispiele für zukunftsfähige Handelsmodelle

Best Practices aus aller Welt, die zeigen, wie moderne und zukunftsfähige Modelle in der Retail-Branche aussehen.

Ein Auszug aus Theresa Schleichers aktuellem Retail Report 2020.

Foto: adidas AG

1 – Sporttempel mit gutem Gewissen

Im Adidas Store „Stadium“ in New York wird Kreativität großgeschrieben. Das Geschäft ist in Anlehnung an ein Sportstadion gestaltet: Eine Laufbahn ermöglicht es den Besuchern, die Produkte vor Ort auszuprobieren. Die Umkleidekabinen ähneln Stadion-Umkleiden, Tribünen mit großen Bildschirmen ermöglichen Public Viewing. Doch nicht nur der Sport wird gefeiert, sondern auch das Thema Nachhaltigkeit. Das Gebäude, in dem sich der Store befindet, wurde komplett erhalten. Zudem wurden die Schaufensterpuppen und Kleiderbügel aus recyceltem Meeresplastik hergestellt. Das Angebot wird durch außergewöhnliche Services abgerundet: von der Fitnessberatung und einer Laufanalyse, über gesunde Snacks und Säfte bis hin zu einem Lieferservice ins Hotel.

2 – Rollender Frische-Service

Die Supermarktkette Stop & Shop hat zusammen mit dem amerikanischen Start-up Robomart ein mobiles, autonomes und schnell lieferndes Lebensmittelnetzwerk gegründet. In Boston können die Kunden von Stop & Shop seit Anfang 2019 einen mobilen Roboter-Supermarkt zu sich beordern, der innerhalb weniger Stunden die gewünschten Einkäufe bringt. Mit dem Robomart möchte der Gründer Ali Ahmed vor allem frische Produkte wie Obst, Milch und Gemüse anbieten, die bisher von den Online-Lebensmittelkäufern noch oft stationär gekauft werden. Die Kunden können die Produkte begutachten und selbst eine Auswahl treffen – ein ganz klarer Vorteil gegenüber E-Food, das geliefert wird. Die Schnelligkeit und die Qualität der Produkte sollen dabei den Unterschied zu den bisherigen Online-Bestell-Anbietern machen. Neben Stop & Shop können auch weitere interessierte Einzelhändler den Robomart für zwei Jahre leasen.

Der fahrende Roboter von Robomart und Stop & Shop liefert Food aus.

3 – Lokale Helden entdecken

Den lokalen Handel stärken – genau das möchten die jungen Macher hinter dem Start-up Findeling. Florian Schneider und Katharina Walter gründeten das Unternehmen noch zu Studienzeiten. Die Idee kam ihnen durch die Erkenntnis, dass sie viele Produkte, die sie vor allem online einkauften, auch beim Laden um die Ecke bekommen. Aus diesem Grund starteten sie 2016 Findeling in Hamburg, eine Informations- und Stöberplattform für Konsumenten, die gerne in den kleinen, inhabergeführten Geschäften einkaufen. Ihr Ziel ist es, Menschen wieder für den Besuch der kleinen Läden zu begeistern und neue Lieblingsläden in der Nachbarschaft zu entdecken. Inzwischen gibt es Findeling nicht nur in Hamburg, sondern auch in Berlin, München, Köln, Stuttgart, Frankfurt und Düsseldorf. 

4 – Vom Co-Working zum Co-Retailing

Der Coworking-Anbieter WeWork verfolgt mit dem neuen Konzept „Made by We“ im New Yorker Flatiron District große Ziele: nämlich einen neuen Marktplatz für das Viertel zu schaffen. Mit einer Kombination aus Coworking Spaces, die pro Minute gemietet werden können, stylisher Boutique für kuratierte Produkte und einem Café ist die Location nicht nur ein perfekter Treffpunkt für die Community, sondern sogar eine Plattform zum Leben und Wohlfühlen. 

5 – Smartphone-Verkauf im „Koffi-Corner“

Mit dem „House of Swisscom“ eröffnete das Schweizer Telekommunikationsunternehmen im Frühling 2018 ein Kompetenz- und Erlebniscenter „der nächsten Generation“: Neben klassischer Verkaufsberatung gibt es im Shop eine Innovationszone, eine Mobile-Cocktail-Bar, an der Zubehör getestet und ausgewählt werden kann, sowie ein integriertes kulinarisches Angebot mit Kaffee, Sandwiches oder Cheesecake. Mit dem eigens kreierten Gastrokonzept „Koffi“ erschließt sich das Unternehmen so einen neuen Absatzmarkt. Eingerichtet ist der Raum im Wohnzimmer-Stil, in dem es sich während der Reparatur eines Gerätes im hauseigenen „Repair Center“ – oder auch einfach nur zum Kaffee – gemütlich verweilen lässt. Zusätzlich werden Kurse zu aktuellen Technik-Neuheiten oder Produkten direkt im Shop im Rahmen der „Swisscom Academy“ angeboten. So vereint Swisscom Verkauf, Genuss und Weiterbildung geschickt an einem Ort. 

Foto: Swisscom AG

6 – Zahlen mit Gesichtsscann

In Rumänien testet der Lebensmittelhändler Carrefour die Bezahlung mit Facial Recognition. Die Kunden im Skanska Supermarkt in Bukarest können seit Februar 2019 ganz einfach mit einem Lächeln an den Kassen bezahlen. Dem Test ging eine Einführung des biometrischen Bezahlsystems in China voraus, bei dem Konsumenten vorab ihre Face-ID über WeChat anmelden. In Shanghai hat Carrefour bereits einen Smart Store mit weiteren digitalen Services erfolgreich aufgebaut.

7 – Connected Retail

Über 700 Läden hat Zalando unter dem Dach von „Connected Retail“ versammelt, darunter viele mittelständische Unternehmen und Händler. Über die Plattform können Kunden ihre Online-Bestellungen direkt bei externen, stationären Anbietern tätigen. Die Partnershops haben nach Eingang einer Bestellung drei Stunden Zeit, sich für oder gegen einen Auftrag zu entscheiden, und wickeln den Prozess über eine gemeinsame Plattform ab. Sowohl die Einzelhändler wie auch Zalando sehen die Zusammenarbeit als Gewinn, der sich letztendlich auch in Zahlen sichtbar macht: Durch Connected Retail können Einzelhändler ihre Produktivität um bis zu 30 Prozent steigern. Neben der Reichweite und Teilnehmerzahl sollen auch der Kundenservice der Plattform und Services wie Same Day Delivery in naher Zukunft ausgebaut werden.

„Wenn wir zehn Jahre vorausschauen, werden Marken und Händler immer weniger in Kanälen und Endgeräten denken und sich noch radikaler an ihren Kunden und deren Gewohnheiten, Bedürfnissen und Lebensstilen orientieren“, beschreibt es Dr. Carsten Keller, VP Direct to Consumer bei Zalando.

8 – Digitales Dorf

Das Fraunhofer-Institut hat zusammen mit dem Kommunalen Zweckverband Steinwald-Allianz in Bayern einen mobilen Tante-Emma-Laden entwickelt, der die ländliche Nahversorgung revolutionieren und Erzeuger und Konsumenten näher zusammenbringen soll. Der Lkw fährt Dorf um Dorf an – der aktuelle Standort soll für Kunden jederzeit via App ersichtlich sein. Künftig werden smarte Algorithmen im Hintergrund Bestellungen, Zahlungen und Warenbedarf koordinieren. Und: Neben dem Einkaufen kann auch gleich Geld abgehoben werden. Der mobile Dorfladen ist das erste sichtbare Ergebnis des Projektes „digitales Dorf“ und nutzt das Potenzial der Digitalisierung effektiv für die Nahversorgung im ländlichen Raum.


Der Retail Report 2020 benennt und erklärt die wichtigsten Trends im Handel. Seine Erläuterungen, Themenschwerpunkte, Tipps, Best Practices und Statistiken zeigen Händlern, welche Prinzipien und Modelle in Zukunft Erfolg haben werden.

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Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Dossier: Handel

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„Handel ist Wandel“ – das ist die Devise einer Handelslandschaft. Das Flächenwachstum im stationären Einzelhandel stößt an seine Grenzen, und im Internet wird die Handelswelt neu vermessen.

Folgende Menschen haben mit dem Thema dieses Artikels zu tun:

Theresa Schleicher

Ihr Fachgebiet ist die Markenkommunikation und der Handel in digitalisierten Zeiten. Als strategische Beraterin liefert Theresa Schleicher frische Ideen für innovative Unternehmenskulturen und Wandlungsprozesse.