Healthy Pet-ing: Haustiermarkt als Krisengewinner mit Zukunft

Wer einen tierischen Mitbewohner seinen Begleiter nennen kann, lebt gesünder und glücklicher. Da die Verbindung zwischen Mensch und Haustier immer intensiver wird, stehen auch Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere immer stärker im Mittelpunkt – und schaffen einen Zukunftsmarkt. Ein Auszug aus dem Health Report 2022 von Corinna Mühlhausen.

Illustration: Sabrina Katzenberger

Bereits seit einigen Jahren übersteigt die Anzahl der in Deutschland lebenden Haustiere bei weitem die der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren. Im Zuge der Pandemie aber berichten Hundezüchterinnen und -züchter und Tierheime genauso wie Hersteller von Futter, Heimtieraccessoires und vielzähligen weiteren Produkten und Dienstleistungen rund um Hund, Katze, Nager und alle anderen tierischen Wesen von einem regelrechten Nachfrageboom. Die Lockdowns und ihre Folgen, das Gebot des Social Distancings und die Maskenpflicht in der Öffentlichkeit führen dazu, dass sich noch mehr Menschen danach sehnen, ihr Leben mit einem tierischen Begleiter zu teilen. So kam es etwa bei der Neuregistrierung von Hunden zu einem Plus von 25 Prozent.

Das Haustier: Ein Wirtschaftsfaktor mit Fell

In immerhin 23 Prozent aller Haushalte in Deutschland leben Katzen. Hunde bevölkern 20 Prozent der Wohnungen und Häuser. Bereits seit Jahren steigen diese Zahlen kontinuierlich an, sodass auch die Volkswirtin Renate Ohr von der Universität Göttingen in ihrer Heimtierstudie das Resümée zieht, „dass die Heimtierhaltung ein überaus positiver Wirtschaftsfaktor für unsere gesamte Volkswirtschaft ist“, von dem geschätzte 210.000 Arbeitsplätze in Deutschland abhängig sind.

Der Faktor Fell spielt bei der Beliebtheit von Hund und Katz eine nicht unwesentliche Rolle. Der Sehnsucht nach angenehmen – und positiv auf die Gesundheit wirkenden – Hautberührungen kommt diese Haptik entgegen. Die emotionalen Bindungen zum eigenen Haustier sind stark und vielfältig. Ältere Menschen entgehen mit ihrem tierischen Begleiter dem Gefühl der Einsamkeit, jüngere üben Commitment und Verlässlichkeit, die sie in einer Liebesbeziehung zu vermeiden suchen. Nebenbei lassen sich mit tierischen Begleitern auch Dating-Profile attraktiver gestalten.

Gesundheitstrends Health-Trend-Map

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Länger leben dank Haustier

Von diesem Flirtplus mal abgesehen scheinen Hundebesitzer aber tatsächlich länger zu leben und gesünder zu sein, wie Studien ergeben. Forscher um Mwenya Mubanga der Universität Uppsala werteten mehrere Datenquellen von 3,4 Millionen Schweden und Schwedinnen zwischen 40 und 80 Jahren aus, darunter auch zwei Register über Hundehalter und -halterinnen.

Die Ergebnisse: Wer mit einem Hund zusammenlebt, stirbt demnach seltener an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Besonders auffällig ist dieser Zusammenhang bei Singles. Das Risiko von Alleinstehenden, die einen Hund besitzen, ist um 36 Prozent niedriger als bei Menschen in vergleichbarer Lebenssituation ohne Hund. Kinder, die mit einem tierischen Begleiter zusammen aufwachsen, haben darüber hinaus ein geringeres Allergierisiko – selbst wenn sie in der Stadt leben.

PetTech und Co.: Haustiermarkt boomt

Enge, emotionale Beziehung und positive Auswirkungen auf die Gesundheit – kein Wunder, dass Menschen ihre Haustiere verwöhnen und wollen, dass sie lange und glücklich leben. Der Haustiermarkt ist daher einer mit viel Potenzial und wenig Grenzen – im Prinzip ist alles, was für die Menschen selbst interessant ist, potenziell auch etwas für das Tierchen.

Die Hersteller von sogenannter PetTech, Tracking Devices für das Heimtier, ermöglichen es mit ihren Gadgets, digital zu überprüfen, wie es um die Gesundheit und Fitness des Haustiers bestellt ist. Belastung, Schlafrhythmen und die gesundheitliche Verfassung werden gemessen – altbekannt, nur eben jetzt nicht beim Menschen, sondern bei seinem Haustier. Sensorgesteuerte Fressnäpfe sind zugleich Körperanalysewaage, anhand der erfassten Gesundheitsdaten des Tieres wird die tägliche Futtermenge zugewiesen. Superfoods, Gentests oder Betten für arthritische Vierbeiner ergänzen die bereits bekannten tierischen Angebote und Produkte von Modeketten, Luxus-Labels und Hotels.

Healthy Pet-ing: Trendprognose

© Matthias Moeller-Friedrich

Haustiere, allen voran Hunde, sind der neue Partner- oder Kinderersatz und werden Teil des eigenen Healthstyles. Wer es sich leisten kann, optimiert Gesundheit und Wohlbefinden seines tierischen Begleiters – mit Hilfe besonderer Futterangebote oder probiotischer Snacks, mit sportlichen Trackinggeräten oder chicen Accessoires. Auch die Nachfrage nach Beratung und Support – vom tierischen Verhaltenstraining bis hin zur medizinischen Begleitung – steigt weiter an. Die Pandemie hat diesen Trend angeheizt und dafür gesorgt, dass Healthy Pet-ing die Haustierbranche auch in Zukunft deutlich mitbestimmen wird. Das größte Ziel: Eine gesunde und glückliche Einheit aus Mensch und Tier zu schaffen. Die Umsätze in diesem Feld werden in den nächsten Jahren weiter deutlich wachsen.


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