„Die Vogelperspektive wirkt horizonterweiternd“

Die anhaltende Pandemie hat sich auch im Amateurfußball ausgewirkt. Um dem eine positive Strategie entgegenzusetzen, hat der DFB erfolgreich mit dem Zukunftsinstitut und dem Modell Trend Canvas gearbeitet, wie Leon Ries, Abteilungsleiter Basisberatung und -entwicklung beim DFB, im Interview berichtet.

Wie kam es zu dieser Kooperation mit dem Zukunftsinstitut?

Leon Ries: Es gab beim DFB bereits einen Workshop mit dem Zukunftsinstitut. Speziell interessant war dabei, wie die neuen gesellschaftlichen Entwicklungen und die sich verändernden Lebenswelten dargestellt wurden. Wir wollten mit dem Zukunftsinstitut an der Frage arbeiten, wie Fußball zukunftsfähig aufgestellt werden kann. Corona hat einen starken Einfluss auf die körperliche Betätigung gehabt. Fußball und besonders der Amateur-Fußball sind davon stark betroffen. Beim ersten Lockdown sah man noch einen Trend, die Straße zum Spielort zu machen, im zweiten Lockdown erlebten wir dann mehr Rückzug. Konsolenspiele begannen sportliche Erlebnisse zu ersetzen. Für uns war es nun wichtig herauszufinden, wie wir den Fußball in den Alltag, vor allem bei den 13- bis 19-Jährigen, zurückbringen konnten.

Das Zukunftsinstitut startete mit einem Trend Research, um dann gemeinsam mit dem DFB die Trend Canvas durchzuarbeiten. War Ihnen dieses Verfahren schon geläufig?

Ries: Mit der Trend-Canvas zu arbeiten war für uns neu. Der Vorschlag kam von Marcel Aberle. Es war spannend, wie man von sehr allgemeinen gesellschaftlichen Trends auf die tiefste Ebene hinuntertaucht und von der indirekten Beobachtung zu konkreten Maßnahmen gelangt, indem man die Themen sortiert. Es zeigte sich, dass vor allem die Themen Gesundheit und Sicherheit immer wichtiger werden.

Aus den gesamtgesellschaftlich wirksamen Megatrends wurden die besonders relevanten Trends für den DFB herangezoomt. Gab es dabei Überraschungen?

Ries: Vor dem Termin mit dem Zukunftsinstitut hatten wir die Themen Wissen und Bildung nicht so sehr im Blick. Diese Bereiche haben sich durch Corona stark verändert. Der Umgang mit digitalen Medien ist viel selbstverständlicher geworden, und das hat Einfluss auf den DFB – z. B. bei der Trainerausbildung. Fußball ist ja eher traditionell. Face-to-Face Begegnungen sind wichtig und selbstverständlich. Wir kombinieren seit Jahren Real-Life-Begegnungen mit digitalen Angeboten, dabei waren die Dymanik und auch das Thema Edutainement für uns zum Teil neu. Digitalisierung wird in der täglichen Arbeit nun noch mehr fokussiert. Das Mindset hat sich stark verändert. Waren früher digitale Tools Assets, so gehören sie heute zu Routine und Alltag.

Success Story DFB Amateurfussball

Analyse des Impacts von Corona auf den Amateurfußball

DFB und Zukunftsinstitut haben gemeinsam analysiert: Welche Auswirkungen hat Corona auf den Amateurfußball? Welche Risiken und Potenziale ergeben sich daraus?

Die Trend Canvas war Ergebnis mehrerer Workshops mit dem Zukunftsinstitut, in denen die Auswirkungen einzelner Trends auf verschiedene Bereiche wie Produkte, Markt, Gesellschaft oder Natur genau analysiert wurden. Welche konkreten Ergebnisse ergaben sich aus dem Trend Impact Mapping und dem Fachwissen der Expertinnen und Experten des DFB?

Ries: Wir sind gemeinsam die Trend Canvas durchgegangen und haben überlegt, auf welche Megatrends sich der DFB individuell fokussieren soll. Der Megatrend Gender Shift ist auch im Amateurfußball zu bemerken. Sehr stark war für uns das Thema „Gender Equality“. Wir fragten uns: Macht der DFB im Amateurfußball genug für Frauen und Mädchen? Das Zukunftsinstitut gab uns den Impuls zu erkennen, dass hier ein Riesenpotenzial für uns liegt.


Der Anteil an Frauen und Mädchen steigt und ist weiter ausbaufähig. Aus dieser Erkenntnis wurde das Leuchtturmprojekt „DFB-Assist“ entwickelt, das sich auf spezifische Anforderungen und Unterstützung für Frauen und Mädchen fokussiert. Welche speziellen Tools des Zukunftsinstituts haben die Entwicklung dieses Kick-Off-Projekts unterstützt?

Ries: Gender Shift war ein Einstieg, für uns selbst war dann der Begriff „Gender Equality“ von großer Bedeutung. Denn egal, wie Gender-Rollen ausgelebt werden, ist das wichtigste Ziel die Gleichberechtigung. Die grundlegende Frage ist: Wie wollen Menschen, speziell Frauen und Mädchen, in Zukunft Fußball spielen? Und was können wir leisten, damit wir von einem „Equal Play“ sprechen können, also für gleiche Bedingungen für Frauen und Männer sorgen. Daraus haben wir ein Strategieprojekt entwickelt.

Wie gestaltet sich die Umsetzung?

Ries: Das Thema funktioniert nur, wenn man es ernsthaft und strukturiert angeht. Früher haben wir eher spontane Projekte gestartet. Jetzt arbeiten wir durch DFB-Assist nachhaltig und entwickeln mit den Landesverbänden eine Strategie für Frauen im Amateurfußball. Dazu ist ein klares Bekenntnis nötig, das durch eine harte Status-Quo-Analyse des Verbands bei DFB-Assist auch schonungslos vermittelt wird.

Der vom Amateurfußball erwirtschaftete Wert geht über finanzielle Belange hinaus – auch Gesundheit und Zusammenleben profitieren davon. Die Online-Plattform ehrenamtistunbezahlbar.dfb.de wurde entwickelt, um dies öffentlich sichtbar zu machen. Welche Instrumente des Zukunftsinstituts waren hier hilfreich?

Ries: Mit der Trend Canvas wurde deutlich, welchen Megatrends diese ehrenamtlichen Tätigkeiten zuspielen. Die Relevanz der ehrenamtlichen Tätigkeiten gewinnen an Sichtbarkeit, wenn klar wird, wie sehr Fußball als ganzheitlich ausgerichteter Sport auf gesellschaftliche Werte einzahlt. Es geht hier nicht nur um körperliche, sondern auch mentale Gesundheit. Fußball schafft einen Ausgleich, den Computerspiele nicht bringen. Außer der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft war aber auch ein anderes Thema wichtig: Urbanisierung. Wenn bei Stadtplanung die Stadt auch als Bewegungsraum betrachtet wird, hat Fußball es oft schwer: Parkour oder Basketball benötigen weniger Platz als ein Fußballfeld. Wir brauchen also gute Argumente, warum es wichtig ist, in Neubausiedlungen ein Fußballfeld mitzuplanen. Dies gelingt, wenn man Zahlen liefert.

Success Story DFB

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Wie schätzen Sie die Methoden des Zukunftsinstituts für die Anliegen des DFB im Rückblick ein?

Ries: Dieser Impuls von außen war sehr wichtig. Wenn man die Vogelperspektive einnimmt, wirkt das horizonterweiternd. Gleichzeitig sieht man sich vor der Challenge, Trends in konkrete Dinge umzusetzen. Das ist das dickste Brett, das intellektuell zu bohren ist. Man sieht „Da ist was“, weiß aber noch nicht genau, was genau daraus entstehen kann. Immer wieder war es super, hier mit Strukturen zu arbeiten. Eine unserer Zukunftsstrategien bezieht sich darauf, 13- bis 19-Jährige vermehrt zum Fußball (zurück) zu bringen. Den Fußball in einen routinierten Alltag zu integrieren.

Wie haben Sie insgesamt die Zusammenarbeit mit dem Zukunftsinstitut erlebt?

Anregend! Es gab richtig gute Impulse. Wir machten uns bewusst: „Mit was beschäftigen wir uns?“ Wir sind aus der eigenen Blase herausgetreten und konnten einen Blick von außen auf unser System werfen.



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