„Die Megatrends sind eine Art Checklist“

Trends und Megatrends prägen die Arbeit von Sunbul Dubuni, Director Customer Insights bei der LSG Group. Das langjährige Mitglied im Future Circle nutzt das Wissen des Zukunftsinstituts mittlerweile ganz automatisch in der Entwicklung ihrer Konzepte. Wie das funktioniert, schildert sie im Interview mit Future Circle Managerin Selina Salam.

Frau Dubuni, Sie sind seit über zehn Jahren Mitglied im Future Circle. Seitdem arbeiten Sie sehr intensiv mit Trends. Warum haben Sie damit begonnen, sich mit Trends im Business-Kontext zu beschäftigen?

Sunbul Dubuni: Das Thema Trends hat mich schon immer interessiert, auch unabhängig vom Business-Kontext. Es war für mich immer spannend, zu sehen, wie bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen fortschreiten, also welche „Bewegungen“ sie vollführen. Wichtig ist für mich aber auch, welche Veränderungen das mit sich bringt und was das wiederum für Konsumentenbedürfnisse, Erwartungshaltungen und die Suche nach Lösungsansätzen im Wirtschaften heißt. Die LSG Group ist ein international aufgestelltes Catering-Unternehmen, wir haben also sowohl Kollegen als auch Kunden auf der ganzen Welt. Deswegen war es mir immer wichtig, mich damit zu beschäftigen, welche Trends in unserem Bereich weltweit und auch in verschiedenen kulturellen Kontexten wahrzunehmen sind. Als Unternehmen, das im Airline-Catering und auf angrenzenden Märkten aktiv ist, betrachten wir Kulinarik als unser Kerngeschäft. Doch es ist längst nicht so, dass wir uns darauf beschränken würden. Im Food&Beverage-Bereich passiert extrem viel, auch in Verbindung mit verschiedenen anderen Entwicklungen. Es ist ja nicht nur das Essen oder das Getränk an sich, sondern es geht zum Beispiel auch darum, wie es verpackt ist oder ob ich es digital bestellen kann. Da haben wir es dann mit z. B. Konnektivität zu tun, bei der Verpackung kommt der ökologische Aspekt hinzu, und To-Go-Produkte hängen eng mit Mobilität zusammen. Die Beschäftigung mit Megatrends hilft uns im Unternehmen vor allem dabei, abschätzen zu können, welche Entwicklungen sich gegenseitig beeinflussen und verstärken – und wie sie sich in Zukunft weiterentwickeln.

Wie arbeiten Sie in Ihrem Unternehmen mit Megatrends?

Dubuni: Ich erstelle selbst kundenspezifische Präsentationen mit Fokus auf die für sie relevanten Trends. Darüber hinaus erarbeiten wir in einem breit aufgestelltem und diversen Expertenteam an allgemeineren Trend Updates für unsere Kunden und für unsere Kollegen innerhalb der LSG Group. Die Basis hierfür sind die Megatrends und diese bieten eine gute Ausgangslage zur Orientierung bei der Übersetzung relevanter Entwicklungen in unseren Kontext. Sprich, was bedeutet Mobilität für uns? Was bedeutet Konnektivität für uns? Seit einiger Zeit legen wir auch den Fokus darauf, welche Kern-Trends für uns und aus Kundenperspektive relevant sind. Auch unser Vorstand sieht es gern, wenn wir mit Megatrends arbeiten. Denn mittlerweile ist klar, dass Trends Phänomene sind, die eine gesellschaftliche Relevanz haben und nicht nur Modeerscheinungen sind. Das Wissen um die Trends geht irgendwann in Fleisch und Blut über. Man denkt schon auf eine bestimmte Art und Weise mit den Megatrends im Hinterkopf. Das beeinflusst die Art, wie man Dinge zusammenbringt oder eben nicht zusammenbringt. In meinem Denken sind die Megatrends schon so stark verankert, dass ich das nicht mehr aktiv merke. Bei der Entwicklung von Konzepten fragen wir uns: Welcher Trend ist für das Konzept relevant? Was bedeutet der Trend ganz konkret für diesen Kunden und dieses Projekt? Es gibt ein paar Megatrends, die für unsere Konzepte eigentlich immer relevant sind, vor allem Neo-Ökologie, Konnektivität oder Mobilität. Der Zero-Waste-Trend aus dem aktuellen Food Report ist zum Beispiel auch ein großes Thema für uns und unsere Kunden.

Arbeiten mit Megatrends

Wie Unternehmen von Megatrends profitieren

Die Arbeit mit Megatrends ist daher ein unverzichtbares Instrument für das Management und die strategische Planung in Unternehmen und Institutionen.

Das heißt, der Mehrwert der Megatrends für Sie und für Ihr Unternehmen liegt vor allem darin, dass Sie das darin enthaltene Wissen konkret auf Ihre eigenen Kunden „übersetzen“ und ableiten können?

Dubuni: Ja, ganz richtig. Wir fragen uns stets: Welche Entwicklungen finden da statt? Was heißt das konkret für uns und was heißt es vor allen Dingen für den Kunden? Was lese ich denn davon ab, was für den Kunden relevant sein kann? Wie übersetzen sich Themen, wie zum Beispiel die Nachhaltigkeits-Diskussion, in unsere Produkte, die wir unseren Kunden und somit auch den Passagieren anbieten? Wir haben uns immer schon damit beschäftigt, wie wir besser und effizienter, aber auch ökologischer produzieren können.

Sie erstellen selbst Trend-Reports und -Updates für Ihr Unternehmen. Welche Rolle spielen die Megatrends in diesem Prozess, welchen Mehrwert bringen sie?

Dubuni: Die Megatrends sind eine ganz wichtige Quelle, so eine Art Basis, um zu antizipieren, was uns betrifft und wo wir wirklich tiefer rein schauen müssen. Man könnte sie auch als eine Art Checklist bezeichnen. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen banal, aber wir fragen uns: „Guck mal, ist Silver Society für uns ein Thema? Ja oder nein?“. Und dann wird dazu recherchiert und darüber diskutiert, bis wir eine Antwort darauf haben. Oder: „Ist Neo-Ökologie für uns ein Thema?“. Was natürlich bejaht wird und so hat z. B. das Packaging-Thema weiterhin in allen Projekten eine hohe Relevanz. Dann fragen wir uns: „Was bedeutet diese Antwort nun für uns? Wie können wir das umsetzen? Welche Aspekte gehen damit einher? Wie sieht es damit in Südamerika oder in Asien aus?“

Was war für Sie ein persönliches Erfolgserlebnis in Ihrer jahrelangen Arbeit mit Trends? Gibt es einen besonderen Moment, den Sie in Erinnerung haben oder ein besonderes Projekt?

Dubuni: Es gibt mehrere Dinge. Aber ein ganz konkretes Beispiel: Wir haben die Megatrend-Map einmal in Mittelamerika bei einer Kundin präsentiert und sie war sofort verliebt in diese Map. Sie hat sie aus dem Workshop-Raum mitgenommen und sich ins Büro gehängt. Das fand ich total schön und auch irgendwie wertschätzend, dass die Megatrend-Map jetzt auch am anderen Ende der Welt im Büro hängt. Der größte Erfolg für mich aber ist, das muss ich wirklich sagen, die Möglichkeit, mich kontinuierlich mit Trends beschäftigen zu können, nicht oberflächlich, sondern auf einer validen Basis. Wenn man Trends mit langem Atem beobachtet, dann erhält man eine solide Einschätzung.

Die Megatrend-Map

Die Megatrend-Map

Der Wandel von Gesellschaft und Wirtschaft auf einen Blick: Die Megatrend-Map des Zukunftsinstituts verschafft Ihnen Überblick über die 12 Megatrends, ihre Subtrends und Überschneidungen.

Warum würden Sie eine Mitgliedschaft im Future Circle auch anderen Unternehmer*innen empfehlen?

Dubuni: Im Future Circle erhalte ich in regelmäßigen Abständen gut recherchierte, inspirierende Informationen und Studien zu gesellschaftlichen Entwicklungen. Der Future Day ist auch etwas Besonderes. Dort bekommt man extrem viele Informationen unterschiedlichster Art und kann sich austauschen. Gerade die Future Week 2020 fand ich inhaltlich extrem erhellend und inspirierend. Ich habe mittlerweile viele Veranstaltungen mitgemacht, aber ich muss sagen, wenn das nicht die beste war, dann war sie zumindest unter den Top-3. Für mich war das nochmal eine Bestätigung, dass ich gerne Future-Circle-Mitglied bin.


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