Die Leadership-Transformation: Komplexes statt lineares Management

Business Leader, Management-Kräfte, eigentlich alle Individuen müssen Entscheidungen treffen. Und das in einer Welt, in der man sich auf nichts mehr verlassen kann. – Harry Gatterer über Europas Übergang vom linearen zum komplexen Management.

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Wie sollen wir umgehen mit dieser seltsamen Zukunft? Wie sollen wir noch Entscheidungen treffen, wenn ständig alles um uns herum zusammenbricht? Stellen Sie sich diese Fragen auch?

Willkommen in der neuen Entscheidungswelt

Um Entscheidungen treffen zu können, müssen Sie sich auf wahnsinnig viel verlassen, das Sie nicht entscheiden können. Wenn Sie sich morgens dazu entscheiden, mit der Bahn ins Büro zu fahren, müssen Sie sich darauf verlassen können, dass die Bahn fährt, dass sie ihr gewohntes Ziel anvisiert und dort ankommt. Als Entscheidungsträger oder Entscheidungsträgerin in einem Unternehmen müssen Sie sich beispielsweise darauf verlassen, dass es Menschen gibt, die für Sie arbeiten können und wollen, dass Ihre Mitarbeitenden und Ihre Kundschaft das Haus verlassen dürfen oder Lieferketten funktionieren, dass Ihre Märkte erreichbar sind oder Geldflüsse möglich sind. Sie sehen schon, dass hier der Hund begraben liegen kann.

Eine globale Pandemie und ein nicht für möglich gehaltener Krieg in Europa haben uns unmissverständlich verdeutlicht, dass wir mittlerweile in einer Situation sind, in der wir nicht mehr wissen, worauf wir uns noch verlassen können. Im Zweifel müssen Sie vielleicht viele Voraussetzungen für Ihre Entscheidung auch noch mitbauen, und selbst dann können Sie nicht sicher sein, dass Ihr Business wie geplant funktioniert.

Sie, ich, wir alle sind mittlerweile gezwungen zu Entscheidungen, ohne Gewissheit über Grundvoraussetzungen und –annahmen. Gewissheit gibt und gab es nie, werden Sie vielleicht einwerfen und ich geben Ihnen Recht, wenn wir über den Ausgang, die Konsequenzen von Entscheidungen sprechen. Im Prozess des Entscheidens aber sind wir es gewohnt, auf Gewissheit zu vertrauen. Wenn Sie permanent alles anzweifeln und jeden Morgen aufs Neue darüber nachdenken, ob die Bahn heute wie geplant fährt, würden Sie gar nie zum Entscheiden kommen. Sie würden ständig über Dinge grübeln, die Sie ohnehin nicht beeinflussen können, also verlassen Sie sich auf gewisse Dinge, um sich nicht in Details und Stillstand zu verlieren.

Technologie-Transformation

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Im Übergang vom linearen zum komplexen Management

Auf kleiner Entscheidungsebene ermöglicht Ihnen dieses Verlassen auf Gewissheiten überhaupt erst, Ihren Alltag bestreiten zu können. Auf einer strategischen Ebene verhält es sich etwas anders, hier müssen Sie heute alles hinterfragen und die großen Zusammenhänge permanent challengen, um als Organisation vorbereitet und resilient sein zu können. Was beide Situationen eint, ist die notwendige Reduzierung von Information. Sie lesen richtig: Weniger ist in diesem Fall wirklich mehr. Wir wissen heute so viel, haben immer mehr Daten, doch am Ende wissen wir doch nichts, weil wir im Informations-Overflow die Verbindungen nicht mehr ziehen können. Sie kennen das Sprichwort vom Wald und den Bäumen.

Strategische Entscheiderinnen und -entscheider müssen sich dem entziehen und auf eine höhere Ebene begeben. Sie müssen sich aus dem kleinteiligen, kurzfristigen Informations-Overflow herausziehen. Sie brauchen nicht immer mehr Information, sondern müssen den Überblick erlangen, um Muster erkennen zu können. Darum geht es für Entscheiderinnen und Entscheider. Nur mit dem ganzheitlichen Verständnis für Zusammenhänge und Vernetzungen und die wirklich relevanten Entwicklungen lassen sich Entscheidungen auch in permanenter, unvorhersehbarer Bewegung treffen.

Die enorme Komplexität unserer modernen Welt, der hohe Vernetzungsgrad der globalisierten Wirtschaft, die Irrationalität der Krisen ... all das führt dazu, dass Sie nicht weiterhin sagen können: Ich entscheide etwas und je nachdem, wie ich entscheide, kann ich davon ausgehen, dass dies und jenes passieren wird. Wir befinden uns im Übergang in eine völlig neue Entscheidungswelt. Wir gehen dazu über, Komplexitätsfähigkeit als zentralen Leadership Skill zu begreifen und zu entwickeln, um in dieser neuen Welt mit ihren Wirbeln entscheidungsfähig zu bleiben.

Welche Entscheidungskulturen wollen wir entwickeln?

Unter diesen Rahmenbedingungen geht es nun auf allen Ebenen darum, ein neues Gefühl für Entscheidungsgrundlagen und Entscheidungswege zu entdecken. Leadership und Management bedeuten, zu entscheiden, und Entscheidungen lassen sich künftig nur noch mit Komplexitätsfähigkeit treffen. Als Wirtschaft und Gesellschaft gehen wir gerade dazu über, das lineare Denken hinter uns zu lassen. Vor allem für Entscheiderinnen und Entscheider ist das unerlässlich.