Knowledge Worker: Wissen statt Macht

In der Wissensökonomie von morgen fordern die Mitarbeiter neue Werte ein: Vertrauen, Experimentierfreude, Mut zu Fehlern und Brüchen

Quelle: Leadership Report 2015

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Winston Taylors großes Verdienst ist nicht nur sein Einfluss auf die Produktivitätssteigerung in der Industrie, sondern die Erkenntnis, dass wirtschaftlicher Fortschritt nicht nur auf technischen Innovationen und neuen Fertigungsmethoden beruht, sondern auch Arbeits- und Organisationsformen weiterentwickelt werden müssen. Dass dies weiterhin hochrelevant ist, zeigt schon die Tatsache, dass die Produktivität in der Fertigung seit den 1940er Jahren um das 14-fache gestiegen ist, Büroarbeit jedoch nur um den Faktor 2 an Effizienz gewinnen konnte. Die Schlüsselfrage lautet mehr denn je: Wie lässt sich Wissensarbeit produktiv gestalten?

Das Ende des Taylorismus

Eines ist sicher: Die bewährten Methoden der Vergangenheit führen uns nicht weiter. War es zu Taylors Zeiten möglich, mit der Stoppuhr die Produktivität von zwei Mitarbeitern zu vergleichen, so gelingt dies im Zeitalter der Innovation nicht mehr: Ideen pro Minute zu messen ist kein praktikabler Optimierungsansatz. Taylor hat ausgedient, und mit ihm nicht nur die Stoppuhr, sondern auch andere Konzepte.

Paradoxerweise werden die Regeln Nur schneller und kostengünstiger: das führt in eine Abwärtsspirale des Taylorismus ausgerechnet durch die gleichen Auslöser erschüttert, die seinerzeit zu ihrer Einführung beigetragen haben: tiefreichender Strukturwandel in der Wirtschaft, fortschreitende Automatisierung, kombiniert mit günstigen Verkehrswegen. Heute sind es allerdings nicht nur physische, sondern digitale Transportwege, die den Wandel vorantreiben.

So manche US-Nachrichtenredaktion hat die Berichterstattung von Unterligaspielen bereits an datenbasierte „Text-Automaten“ delegiert. Noch funktioniert das Beispiel nur in abgegrenzten Themenbereichen – Börsennachrichten, Wetterberichte und Sport. Doch auch andere hochqualifizierte Berufe, in denen Wissen gut strukturiert bearbeitet wird, werden möglicherweise in naher Zukunft dem Wettbewerb mit Maschinen und Globalisierung ausgesetzt sein: Radiologen etwa, denen Bildbearbeitungssoftware und die Auswertung durch Kollegen in Indien die Standardarbeit zu einem Bruchteil der Kosten abnimmt.

Fortschreitende Effizienzsteigerung kann nicht der passende Ausweg aus dieser Entwicklung sein. Das Gleiche wie in der Vergangenheit machen, nur schneller und kostengünstiger, führt in eine Abwärtsspirale. Stattdessen geht es darum, sich in die Unverzichtbarkeit zu spielen. Denn wir werden gar nicht aus dem Spiel gedrängt, sondern bloß nach oben: in Richtung Mehrwert und höherer Wertschätzung. Demnach muss die Frage lauten: Wie gelingen uns höherwertige Produkte, innovativere Dienstleistungen, kreativere Services?


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Dossier: Leadership

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Franz Kühmayer

Der langjährige Top-Manager ist Experte für die Zukunft der Arbeit. Aus der Verbindung von Trendforschung und Unternehmensberatung liefert er facettenreiche, praxisnahe Lösungen und charmante Inspiration.