Slow Business: Achtsam arbeiten

Unser Arbeitsalltag ist geprägt von ständiger Erreichbarkeit, Dauerbelastung und Stress. Umso wichtiger sind aktive Auszeiten – das erkennen auch immer mehr Unternehmen.

Von Simon Henkel (09/2015)

Search inside yourself/ murel

Der Manager mit der Aktentasche in der Hand und der Yogatasche auf dem Rücken ist mittlerweile nichts Besonderes mehr. Wer darauf achtet, wird morgens auf dem Weg zur Arbeit einige Anzugsträger beobachten können, die die sperrigen Röhren mit sich herum tragen. Tatsächlich nimmt der Trend zum Yoga seit Jahren kontinuierlich zu. Noch vor wenigen Jahren als esoterische Spielerei belächelt, ist Yoga heute so normal wie der Gang ins Fitnessstudio. 

Dahinter steckt eine tiefgreifende Trendwende, die mit dem Umbruch in der Arbeitswelt zusammenhängt: Ausgelöst durch das Work-Life-Blending, das die herkömmliche Trennung zwischen Beruf und Freizeit aus den Angeln hebt, wächst der Wunsch nach Ruhe und Fokussierung. Entschleunigung und Achtsamkeit sind die Schlagwörter dieser Tage.  

Ein Blick in die USA zeigt, dass das Thema längst die ganz große Bühne erreicht hat: Die dortigen CEOs treffen sich nicht mehr auf TED-, sondern auf Wisdom-2.0-Konferenzen in Kalifornien, um dort Weisheit zu (er)finden. Zu den Speakern gehören die Unternehmensgründer von Facebook, Twitter oder eBay. Inzwischen findet die “Wisdom 2.0” auch in New York, auf Hawaii und dieses Jahr erstmalig in Singapur statt.

Dass sich das Interesse an Achtsamkeit  auch in der Alltagspraxis durchsetzt, zeigt beispielsweise das von Google konzipierte Search-Inside-Yourself-Programm, das Manager für das Thema sensibilisieren soll. Am Ende des vierwöchigen Prozesses soll eine gesteigerte Führungs- und Leistungsfähigkeit stehen - und schließlich ein optimiertes Wohlbefinden. Der große Andrang spricht für die Wirkungskraft des Programms.

Auch Daimler-Benz zeigt, wie sich Achtsamkeit ganz praktisch in den Unternehmensalltag einbauen lässt. Der Automobilkonzern bietet seinen Mitarbeitern Business-Yoga an, um in der Hektik des Alltags Klarheit und Orientierung zu finden.

Der Wunsch nach Ruhe spiegelt sich auch in neuen Konsumprodukten wider: Während Energydrinks oft dazu dienten, die letzten Kräfte für nicht enden wollende Überstunden zu mobilisieren, steigt heute die Nachfrage nach Anti-Energydrinks rasant an, die beruhigend, entspannend oder regenerierend wirken sollen. So verspricht das Getränk Heldenpause durch seine Zusammensetzung aus verschiedenen Kräutern Tiefenentspannung für gestresste Gemüter. 

Sich durch Meditation auszuklinken, hat wenig mit „Nichtstun“ oder Faulenzen zu tun. Ruhephasen sind zwingend notwendig, um Kraft zu sammeln und so in den entscheidenden Phasen das Maximum leisten zu können. In der Arbeitswelt von morgen wird dieses Mindset von immer mehr Unternehmen aktiv gefördert werde. Denn wer auf Achtsamkeit achtet, fördert emotionale Intelligenz und schafft Raum für Konzentration und Kreativität

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