Sport ist die neue Arbeit

Zwischen Gesundheitspflicht und Kreativökonomie: Im Zuge des Megatrends New Work findet ein Umdenken statt, bei dem der Sport an die Stelle der Arbeit rückt.

Quelle: Trend Update 04/2014

Bisher haben sich die Deutschen in erster Linie über ihre Arbeit identifiziert. Auf die Frage „Und, was machst du/was machen Sie so?“ wurde die berufliche Situation geschildert. Dies ändert sich zunehmend, wenn nicht mehr der Job primäres Gesprächsthema ist, sondern der praktizierte Sport . Konkurrenzdenken macht sich mehr im sportlichen Kontext breit als im beruflichen. Schließlich kann hier Leistung erzielt werden, die entkoppelt von der klassischen Erwerbstätigkeit bestehen kann. Denn das ursprüngliche Verständnis von Sport – im Sinne des Breitensports – setzte Freizeit voraus, den Gegenpol zur Arbeit. Doch in Zukunft werden Arbeit und Freizeit sozusagen die Plätze tauschen: Arbeit soll Spaß machen, und Sport wird zum Pflichtprogramm.

Der Sport rückt an die Stelle der Arbeit – und wird aber auch zur Arbeit, wenn er mit einem ähnlichen Pflichtbewusstsein aus Vernunfts- und Gesundheitsgründen ausgeübt wird. So wie man einst zur Arbeit ging (ob man wollte oder nicht, man musste ja, des Geldes wegen), so geht man heute zum Sport (ob man möchte oder nicht, man muss ja, der Gesundheit wegen). Sport wird dabei für viele Der Sport rückt an die Stelle der Arbeit – und wird dabei auch selbst zur Arbeit zum Pflichtprogramm, zum Teil eines Müssens statt Wollens. Sport ist eine ernste Sache, die von den Gesundheitsarbeitern mit professioneller Seriosität betrieben wird. Insbesondere die Deutschen sind pflichtbewusste Gesundheitssportler. So gaben drei von vier in einer Befragung durch die EU Kommission an, dass sie Sport treiben, um etwas Gutes für ihre Gesundheit zu tun. Im EU-Durchschnitt waren es nur 61 Prozent.

Sport und der Megatrend New Work

Work-Life-Balance und das Ausgliedern der „Freizeitbeschäftigung“ des Sports aus dem beruflichen Alltag in den Feierabend überholt sich zunehmend. Die neuen Sport-Arbeiter brauchen eine Öffnung der Arbeitswelt für ihren Wunsch nach Bewegung. Hier stehen nicht (nur) Betriebssportprogramme im Fokus, sondern insbesondere eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten, sodass individuell dem Bedürfnis nach Sport nachgegangen werden kann. Freizeitsport ist also inzwischen nicht mehr der Ausgleichs- oder Spaß-Sphäre zuzuordnen, sondern entfaltet eine beachtliche Bedeutung für die Arbeitswelt. Tradierte Gegensätze – Beruf und Arbeit versus Freizeit und Sport – entwickeln eine bisher unbekannte Synthese. Vergünstigte Mitgliedschaften in Fitnessclubs, der Pilates-Trainer im Büro – diese Formen des Vorsorge-Sports als Teil einer Unternehmenskultur sind nur der Anfang. Was künftig gefragt ist, sind Konzepte, die Bewegung in den Büro alltag integrieren oder den Büroalltag derart verändern, dass Sport jederzeit möglich ist.

Auch der Office-Alltag muss sich wieder zur natürlichen Umgebung des Menschen verwandeln und Bewegung möglich machen. Innovative Ideen gibt es bereits:

  • Der „Kinetic Desk“ von Stir ist ein Schreibtisch, der mittels Sensoren merkt, wenn sich der Benutzer längere Zeit nicht bewegt hat und diesen zum Aufstehen zwingt, indem er sich automatisch vom Sitz- zum Stehplatz verwandelt. Noch effizienter wird der Arbeitsalltag, wenn Sportgeräte gleich integriert sind.
  • Kathleen und Jeff Hale von Rebel Desk haben aus dem eigenen Bedürfnis heraus, sich während der Arbeit mehr zu bewegen, den sogenannten „Treadmill Desk“ entwickelt. Unter dem Stehschreibtisch wird dabei ein Lauf band platziert, wie man es aus Fitnessstudios kennt.
  • In Massachusetts läuft es umgekehrt, nicht der Sport wird in die Arbeitskultur integriert, sondern die Arbeit in die Sportkultur. Die Kletterhalle Brooklyn Boulders Somerville hat einen kollaborativ nutzbaren Workspace in die Halle eingebaut, den jedes Mitglied der Kletterhalle kostenfrei nutzen kann. Ende März fand sogar ein TEDx-Event in der Halle statt.

Auch wenn Sport aus Gesundheitsgründen häufig mit einem Pflicht-, Leistungs- und Arbeitsgedanken verknüpft ist, wird im Zuge des Megatrends New Work und der kreativen Arbeitsökonomie ein Umdenken stattfinden. Statt Wettkampf könnten bald Teamwork und Statt Wettkampf könnten bald Teamwork und Kreativität im Vordergrund stehen Kreativität im Vordergrund stehen. Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern Freiräume für Sport und Bewegung einräumen, dürften hier nicht nur unter dem Aspekt einer besseren Gesundheit, sondern auch vermehrter Innovationen Ergebnisse sehen. Diese Entwicklung zeigt, wie stark unser bisheriges Verständnis von Arbeit und Freizeit einem Wandlungsprozess unterliegt: Arbeit muss Spaß machen und wird zur Freizeitkultur, Gesundheit wird Pflichtprogramm und zum Arbeitsprogramm.

Empfehlen Sie diesen Artikel!

Der Artikel hat Bezug zu folgenden Formaten:

Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Megatrend New Work

Megatrend New Work

Die Digitalisierung wirft den Menschen auf sein Menschsein zurück – vor allem im Arbeitsleben. Wenn Maschinen künftig bestimmte Arbeiten besser verrichten können als der Mensch, beginnen wir, über den Sinn der Arbeit nachzudenken. Wenn die Arbeit uns nicht mehr braucht, wofür brauchen wir dann die Arbeit? New Work beschreibt einen epochalen Umbruch, der mit der Sinnfrage beginnt und die Arbeitswelt von Grund auf umformt. Das Zeitalter der Kreativökonomie ist angebrochen – und es gilt Abschied zu nehmen von der rationalen Leistungsgesellschaft. New Work stellt die Potenzialentfaltung eines jeden einzelnen Menschen in den Mittelpunkt. Denn Arbeit steht im Dienst des Menschen: Wir arbeiten nicht mehr, um zu leben, und wir leben nicht mehr, um zu arbeiten. In Zukunft geht es um die gelungene Symbiose von Leben und Arbeiten.

Folgende Menschen haben mit dem Thema dieses Artikels zu tun:

Online-Redaktion

Die Online-Redaktion des Zukunftsinstituts kümmert sich um alle sichtbaren Inhalte auf dieser Website und sorgt dafür, dass die ständig wachsende Anzahl neuer Informationen einen angemessenen Platz bekommt.