AR und VR im Live-Einsatz: Die Macht der Wow-Erlebnisse

Augmented und Virtual Reality können Marketeers helfen, mit den eigenen Informationen herauszustechen und in Erinnerung zu bleiben – wenn die Technologien richtig eingesetzt werden. Ein Beitrag von Göran Göhring, geschäftsführender Partner der Agentur Stagg & Friends.

Was haben Technologien wie Augmented und Virtual Reality (AR und VR) mit der Eventbranche gemeinsam? Das Erlebnis steht immer im Vordergrund und soll nachhaltig Eindruck hinterlassen. Eine Kombination aus beiden Bereichen scheint somit sinnvoll und kommt immer häufiger zum Einsatz.

AR und VR schaffen nicht-natürliche Realitäten zur Informationsvermittlung. Bei AR geschieht dies durch eine computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung: Die Nutzer sehen ihre wirkliche Umwelt mit zusätzlich vertiefenden Informationen auf einer neuen Ebene, die Realität bildet also immer die Basis. Bei VR spielt die tatsächliche Umgebung dagegen keine Rolle, der Nutzer taucht ein in eine eine computergenerierte und interaktive virtuelle Umgebung, eine multisensorische „andere“ Realität.

AR und VR machen es möglich, Informationen und Wissen auf besonders eindrucksvolle Art zu vermitteln. Das Wow-Erlebnis "Das Wow-Erlebnis der erweiterten Realität hilft, Inhalte langfristig beim Nutzer zu verankern" der erweiterten Realität hilft, Inhalte langfristig beim Nutzer zu verankern – auch solche, die über klassische Medien gar nicht erst wahrgenommen worden wären. Das außergewöhnliche Erlebnis sensibilisiert, macht neugierig und steigert so die Wissensaufnahme. Nutzer von AR- und VR-Anwendungen tauschen sich zudem häufig über ihre emotionalen Erlebnisse aus – eine zusätzliche Aktivierung der Nutzer und eine deutliche Erhöhung der Informationsqualität.

Darüber hinaus erlauben es AR und VR, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. So lassen sich beispielsweise für international ausgerichtete Schulungen verschiedene Sprachen integrieren. Gleichzeitig können Menschen innerhalb großer Gruppen individuell adressiert werden. Bei einem VR-Einsatz für eine automobile Produktvorstellung kamen im Jahr 2017 rund 150 Teilnehmer gleichzeitig in den Genuss eines digitalen 360-Grad-Live-Erlebnisses in Form einer virtuellen Autofahrt. Die Nutzer tauchten ein in eine immersive Welt, die ihnen Produktbotschaften und Vorteilsargumente völlig neuartig näher brachte. Keine andere Technologie könnte Ähnliches leisten.

Der Einsatz von AR und VR lohnt sich auch für Unternehmen, die abstrakte Sachverhalte oder verborgene Produktfeatures, etwa Radar-Sensorik im Auto, erlebbar machen wollen. Oder für Firmen, die Equipment vorführen möchten, das in einer Messehalle keinen Platz findet.

Natürlich ist der Erfolg eines Events noch lange nicht durch den bloßen Einsatz von AR und VR besiegelt. Viel zu oft hat man noch immer den Eindruck, dass die technische Spielerei als solche für viele Veranstalter im Zentrum steht und dabei der tatsächliche Nutzen für das Unternehmen auf der Strecke bleibt. Bedenkt man Aufwand und Kosten der Realisierung, ist ein fehlendes Konzept für den Einsatz von AR oder VR leichtsinnig und wenig zielführend. Veranstalter müssen sich deshalb von Beginn an darüber im Klaren sein, was sie mit dem Einsatz der jeweiligen Technologie erreichen möchten und inwiefern sie mit ihr einen Mehrwert stiften.

Um sich dessen bewusst zu werden, lohnt es sich, zunächst einen Schritt zurück zu treten und mithilfe einer ganzheitlichen Betrachtung zu entscheiden, inwiefern die künstlichen Realitäten Inhalte besser transportieren, als es mit klassischen Inszenierungen möglich wäre. Die Technik darf und sollte dabei auf keinen Fall im Vordergrund stehen. Denn auch Wow-Effekte nutzen sich ab – und haut die Technik nicht mehr von den Socken, muss der Inhalt immer noch überzeugen und Teilnehmer begeistern können. So fesselnd AR und VR auch sein mögen: Sie taugen nichts, solange Unternehmen keine spannenden und durchdachten Inhalte zu bieten haben. Die Ergänzung Kombination aus eigenen, qualitativ hochwertigen Informationen und mitreißenden Technologien kann hingegen echten Mehrwert stiften und Menschen berühren.

Setzen Unternehmen AR und VR bei Live-Experience-Formaten aber richtig ein, können sie langfristig davon profitieren. Auch wenn die persönliche Begegnung von Mensch, Marke und Produkt weiterhin die Säule der Live-Kommunikation bleiben wird, lohnt es sich, in die Erweiterung von Events um nicht-natürliche Realitäten zu investieren. Zumal die Besucher von morgen aus der Videospiele spielenden und digital verwöhnten jungen Generation von heute stammen: Um deren Aufmerksamkeit zu erlangen und sich von Mitbewerbern abzuheben, müssen sich Veranstalter schon heute bemühen.

Über den Autor

Göran Göhring ist geschäftsführender Partner der auf Live-Experience fokussierten Agentur Stagg & Friends. Mit seinem Agenturteam kreiert er seit über 20 Jahre Events, von Trainings Face-to-Face und Digital über Presseveranstaltungen bis zu Management-Konferenzen.

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