Trendfeld Clean China

China wird zum Epizentrum grüner Innovationen. Chinesische Unternehmen stehen schon in den Startlöchern, um die neuen Möglichkeiten auszuschöpfen. 
Quelle: TREND UPDATE

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16 der 20 Städte mit der massivsten Luftverschmutzung der Welt liegen in China. Smog beeinträchtigt mittlerweile die Lebensqualität der Chinesen enorm: Einen Tag in solch einer Stadt zu verbringen ist äquivalent mit dem Rauchen einer Packung Zigaretten. Den Chinesen ist nicht entgangen, dass die Zahl der Krebserkrankungen steigt. Der gesellschaftliche Druck auf Politik und Unternehmen, mehr für ein sauberes China zu tun, nimmt zu.

Bis 2020 will die Regierung den Anteil von nicht fossilen Energieträgern an der Primärenergie auf 15 Prozent erhöhen. Heute machen erneuerbare Energien neun Prozent des chinesischen Energieportfolios aus. Laut einem Szenario der Internationalen Energieagentur wird China in 20 Jahren mehr Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen generieren als Japan, USA und europäische Union zusammen.

Bei 2020 sollen fünf Millionen E-Autos in China fahren Großprojekten kommen immer öfter umweltfreundliche Energiequellen zum Einsatz. Der neue Flughafen in Shenzhen zum Beispiel ist mit einem Solardach ausgestattet, das eine Leistung von zehn Megawatt hat. Damit könnte man 10.000 Haushalte mit Strom versorgen. Sowohl in der Solarenergie als auch in der Wind- und Wasserkraft ist China weltweit führend. Dennoch wird es in den nächsten Jahren darauf ankommen, im Bereich grüner Energie weiter zu innovieren, um das 15-Prozent-Ziel auch bei steigendem Verbrauch durch Wirtschaft und Privatverbraucher zu erreichen.

„Saubere“ Kohle und smarte Fenster

Die Abhängigkeit von der im Land vorkommenden Kohle wird sich in den nächsten Jahren nicht verringern. Technologische Innovationen konzentrieren sich deshalb auf Recycling von CO2-Emissionen. Weltweit einzigartig ist ein Kohlekraftwerk der China Huaneng Group, das seine CO2-Abfälle in Tanks speichert, anstatt sie in die Atmosphäre abzugeben. Das Kohlendioxid wird zur Herstellung von Trockeneis, Cola oder Bier verwendet. Das Kraftwerk ist Teil der sich im Aufbau befindenden Eco-City Tianjin. Sie ist ein Testfeld für grüne Innovationen. Wenn sie fertiggestellt ist, soll sie im Vergleich zu einer normalen chinesischen Stadt nur ein Zehntel an Strom verbrauchen. Der Kern der Stadt wird als komplett autofreie Zone konzipiert.

In ganz China sind ähnliche Projekte in Planung oder Aufbau. In ihnen könnte das von der Chinese Academy of Sciences entwickelte Smart Window zum Einsatz kommen. Das Fenster kann die Menge der Solarwärme regulieren, die ins Gebäudeinnere dringt. Gleichzeitig befinden sich im Fenster Solarzellen, um Energie zu generieren. Den chinesischen Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, eine dafür geeignete, komplett transparente Beschichtung aus Vanadium-Oxid zu entwickeln.

Doch es wird nicht nur auf umweltbewussten Energieverbrauch gesetzt, auch im Umgang mit natürlichen Ressourcen wie Wasser, das sich in China extrem verknappt, gibt es Innovationsbedarf. Die Toiletten von Landwasher zum Beispiel kommen ohne Wasser aus. Gespült wird mit Urin, der im Tank gesammelt wird.

Chinas E-Revolution

Luftverschmutzung ist ein zentrales Problem in Chinas Millionenstädten – doch sie entsteht nicht nur durch die Industrie. Bislang besitzen laut dem Ministerium für öffentliche Sicherheit zehn Prozent der Chinesen ein Auto, und bereits jetzt führt das zu Verkehrschaos und verstärktem Smog. Die steigende Nachfrage nach individueller Mobilität muss in Zukunft also anders gelöst werden. Im Jahr 2020 sollen fünf Millionen E-Autos auf chinesischen Straßen zu sehen sein. Laut des chinesischen Ministeriums für Wissenschaft und Technologie gab es 2013 allerdings erst knapp 40.000 E-Fahrzeuge, 80 Prozent davon Busse und Taxen. Experten sind dennoch optimistisch: Rund ein Drittel der befragten Automobil-Experten einer KPMG-Umfrage gab an, bis 2025 sei in China mit einem Marktanteil der Elektrofahrzeuge von über 15 Prozent zu rechnen.

Eine andere E-Revolution findet in China bereits statt – E-Bikes sieht man an jeder Ecke. Man spricht von bislang 200 Millionen E-Bikes in China, Tendenz steigend. Im Vergleich dazu sind es in Deutschland gerade einmal 1,3 Millionen Exemplare.

Auch das in Deutschland bereits weit verbreitete Car- und Trip-Sharing tritt in China seinen Siegeszug an. 78 Prozent der Studienteilnehmer einer KPMG-Umfrage halten chinesische Großstädte in diesem Zusammenhang für einen besonders wichtigen Zukunftsmarkt. Momentan steht die Entwicklung allerdings am Anfang, denn zum Traum vieler gehört das eigene Auto. Verschärfte Restriktionen, Wartezeiten, hohe Kosten der Zulassung sowie Fahrverbote in den Megacitys könnten jedoch mittelfristig zu einem Umdenken führen. Da von Seiten der Regierung E-Mobilität gefördert wird und auch bei den Konsumenten das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz gegenwärtiger wird, setzen neue Car-Sharing-Projekte auf Elektromobilität.

Hangzhou, bislang bekannt als Heimat des ersten und mittlerweile größten Bike-Sharing-Programms der Welt mit 60.000 Fahrrädern, könnte in Zukunft auch als Patin des E-Car-Sharing gelten. Die Firma Kandi beginnt dort die Testphase eines E-Car-Sharing-Konzepts, das sich bei Erfolg auf alle anderen Millionenstädte in China ausweiten soll.

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