Wie Corona unser Denken verändert

Was geschieht mit uns, wenn eine hochkomplexe, beschleunigte, vernetzte, auf unentwegtes Wachstum ausgelegte Gesellschaft mitten in ihrem Lauf gestoppt wird – so wie in der Coronakrise? Alles kann passieren. Alles Mögliche. Und alles vorher scheinbar Unmögliche. – Ein Auszug aus dem Buch „Nur Mut“.

Von Matthias Horx

Die Zukunft beginnt mit Mindshifts

Können Sie sich noch erinnern, wie im Höhepunkt der Corona-Krise, im März und April, plötzlich alles auseinanderzufallen schien? Plötzlich stimmten unsere Erwartungen der Zukunft nicht mehr mit der erlebten Wirklichkeit überein. Eine kognitive Dissonanz, ein existentieller Schwindel erfasste uns. Könnte sich durch die Coronakrise auch das Denken verändern?

So unmöglich, wie es uns die ewigen Kulturpessimisten („Der Mensch verändert sich nie...“) weismachen wollen, ist das gar nicht. Nicht selten waren es in der Vergangenheit Einbrüche, plötzliche Katastrophen, Krisen, die eine neue gesellschaftliche Mentalität, einen anderen Mainstream „Nicht selten waren es in der Vergangenheit Krisen, die eine neue gesellschaftliche Mentalität freisetzten – und damit ein neues Zukunftsbild schufen.“ des Denkens freisetzten – und damit ein neues Zukunftsbild schufen. Die Pest des Mittelalters führte letztlich in die Renaissance, deren Kern eine Neuentdeckung des Menschen darstellte. Das Erdbeben von Lissabon 1755 gab der Aufklärung einen kräftigen Schub – ein neues Deutungsmuster wurde sichtbar und deutungsmächtig. Manche Krisen, das wissen wir auch aus unserem persönlichen Leben, wirken wie eine Schocktherapie, in der Heilsames entsteht.

Wir erleben einen futurologischen Mindshift. Dabei geht es weniger darum, Technologie naiv zu bewundern – das, was man normalerweise als „futurologisch“ bezeichnet. Es geht um die Frage, wie die Strukturen unseres Denkens, unseres Mind, die Zukunft prägen. Oder auch: Wie Vorstellungen der Zukunft auf Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und uns selbst zurückwirken. Das ist die Regnose, die im Gegensatz zur Prognose nicht die äußere Welt vorausdenkt, sondern die innere Wirklichkeit antizipiert.

Futuristisches Denken

Denken ist nicht nur ein Aneinanderreihen logischer Gedanken, ein „Prozessieren“, wie wir es vom Computer gewohnt sind. Gutes (futuristisches) Denken ist energetisch. Es beinhaltet Gefühle, Intuitionen, Berührungen, vor allem aber: Zusammenhänge. Es ist Wahrnehmen und Wahrmachen dessen, was ist. Und dessen, was werden kann. Heute stehen wir an einem Übergang von den rationalistischen, linearen Denkmustern der Industriegesellschaft – die letzten Endes in die Coronakrise geführt haben – zu dem, was die Science-Fiction-Autorin Ursula K. Le Guin einmal listig das „Denken in Rundungen“ nannte . Das ist eine schöne Metapher für das, worum es in der brandneuen Publikation des Zukunftsinsituts  „Nur Mut“ geht.

Die im Buch versammelten 14 Denkweisen zeigen, was es schon an guten Gedanken über die Welt gibt und an welche wir jetzt anknüpfen können. Die 4 Leitbilder, unter denen sie stehen, entwerfen das Bild einer guten Zukunft, die wir anstreben können: eine, die inspiriert, die Hoffnung und Freude macht, die wieder Lust auf Zukunft macht. Etwas, woran wir glauben können, das uns optimistisch stimmt und das uns Orientierung gibt auf unserem Weg in die Zukunft. Denn Zukunft wird jetzt gerade von uns allen neu geschrieben!

Das Buch „Nur Mut“ versammelt die wichtigsten Texte des Zukunftsinstituts zu der Frage, wie wir in der Post-Corona-Ära eine bessere Zukunft gestalten können, und gibt dafür 4 Leitbilder und 14 Denkweisen an die Hand.