Heilende Gebäude statt Krankenhäuser

Healthcare Design galt lange Zeit als Nische in der Baubranche. Inzwischen ist klar, wie sehr Design und Architektur die psychische und physische Gesundheit von Menschen beeinflussen.

Von Oona Horx-Strathern

Foto: Pixabay/Ulrike Leone

Die Architektur und das Design von Gesundheitsbauten spielten lange Zeit keine oder nur eine untergeordnete Rolle – Hauptsache funktional. Krankenhäuser waren Maschinen zur Heilung von Patienten und Patientinnen, Pflegeheime Auffangstationen für die Todgeweihten. Das wachsende Bedürfnis nach Gesunderhaltung und die Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit wandeln das Verständnis von und die Ansprüche an Gesundheitseinrichtungen. Es geht nicht mehr um das Verwalten von Kranken, sondern um das Wohlbefinden der Patientinnen, das sich nachweislich positiv auf ihre Genesung auswirkt. Aus diesem Grund entstehen heute im Healthcare-Bereich Bauten, die die Umgebung in die Architektur integrieren, Ruheoasen, Rückzugsorte und Treffpunkte bieten.

Das Glow-Up des Healthcare Design

Das Gesundheitswesen ist einer der größten und zugleich stetig wachsenden Wirtschaftssektoren in Deutschland. In der Health-Branche besteht zudem ein großes Innovationspotenzial bei der Gestaltung von Gesundheitsorten: Nicht nur die Zahl der Krankenhausbesuche ist gestiegen, sondern auch die Forschungen zu den negativen psychologischen und medizinischen Auswirkungen von schlechtem Krankenhausdesign haben zugenommen. Galt das Healthcare Design lange Zeit als unsexy und wurde nur als Randbereich der Architektur angesehen, suchen nun immer mehr Architektinnen die besondere Herausforderung dieses Bereiches: Wie können bessere Gebäude für die Gesundheitsversorgung entworfen werden?

Healing Architecture – präventiver Urbanismus

Gutes Design kann die Genesung der Kranken positiv beeinflussen. Durch den holistischen Ansatz der Healing Architecture sollen sowohl funktionale Bedingungen erfüllt werden, als auch eine beruhigende Wohlfühlatmosphäre für die Patienten geschaffen werden. Faktoren wie Hygiene, Lärm, Verpflegung, die Stimmung und Licht sind bei der Konzipierung der Gesundheitsbauten zu berücksichtigen. Werden diese vernachlässigt, hat das nicht nur negative Auswirkungen auf die Genesung der Patientinnen, sondern auch auf Mitarbeiter und Besucherinnen: Ein erhöhtes Stresslevel, nachlassende Arbeitsleistung, steigende Tendenz zu Streit und Unmut sowie eine erhöhte Burnout-Rate sind die Folge. Heute sind weitere Faktoren wie beispielsweise die Integration des Krankenhauses in das städtische Gefüge wichtig. Der Ansatz des präventiven Urbanismus bindet Gesundheitsbauten in die Umgebung ein: Sie dienen dann nicht mehr der Isolation, sondern sind offen für Austausch und bieten Raum für Alltagserfahrungen.

Holistic Architecture

Während sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Hotel- und Tourismusangebote in Richtung Wellness und Gesundheit positioniert haben, können nun klassische Gesundheitseinrichtungen von Menschen begegnen dem Gesundheitssystem immer mehr auf Augenhöhe und stellen neue Erwartungen an die Infrastruktur. der Gestaltung dieser Hotels lernen. Inzwischen gilt der Medizintourismus als ein weltweit boomender Markt. Personen suchen sich die Gesundheitseinrichtungen für ihre gewünschte Behandlung gezielt aus. Menschen begegnen dem Gesundheitssystem immer mehr auf Augenhöhe und stellen neue Erwartungen an die Infrastruktur: Gesundheitsbewusste Menschen wollen sich in gesundheitsfördernden Lebenswelten bewegen. Die Ideen und Grundsätze der Heilenden Architektur werden daher zukünftig auch in anderen Bereichen der Baubranche zur Anwendung kommen, um die Lebensqualität jeglicher gebauter Umwelt zu verbessern.

Der Home Report von Oona Horx-Strathern liefert mit profunden Analysen, Trendprognosen und prägnanten Facts & Figures die Basis für zukunftsfähige Entscheidungen in den Feldern Architektur, Bauen und Immobilien. Eine Reihe von Best Practices zeigt, wie Unternehmerinnen und Unternehmer bereits heute auf Wohntrends der Zukunft reagieren.


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Oona Horx-Strathern

Wohnexpertin Oona Horx-Strathern beschäftigt sich als Zukunftsforscherin, Autorin und Rednerin mit den Trends für Bauen, Wohnen und Architektur von morgen.