Inside-out Design

Das Leben spielt sich immer mehr draußen im Freien und im öffentlichen Raum ab. Es wird gekocht, gegrillt, gepicknickt – oder man trifft sich auf einen Plausch im Park oder Gemeinschaftsgarten. Hierbei sorgt ein passendes Outdoor-Mobiliar für ein noch unvergesslicheres Erlebnis. Ein Auszug aus dem Home Report 2019 von Oona-Horx-Strathern

Gartenmöbel sehen heutzutage aus, als ob sie einfach aus dem Wohn- oder Schlafzimmer, der Küche oder sogar aus der Chefetage nach draußen gestellt worden wären. Weiche Sitzkissen, elegante Tische, extravagante Leuchten, geschmackvolle Teppiche, behagliche Sofas, elegante Liegen und schicke Accessoires sind nicht nur eine hübsche, aber unpraktische Dekoration aus Hochglanzmagazinen, sondern die neue Realität in vielen Außenbereichen.

In Gärten, auf Terrassen oder selbst auf kleinen Balkonen können wir beobachten, wie sich das Leben im Freien weg von ein paar wackeligen, gebeizten Teakstühlen und -tischen entwickelt hat. Die Außenräume sind inzwischen so hochwertig und bis ins Detail gestaltet, dass sie längst mit dem Interieur- Design konkurrieren. Inzwischen werden nicht mehr nur komplette Gartenmöbel- Sortimente angeboten, sondern es gibt auch Versionen für draußen von Indoor-Klassikern (z.B. den Eames-Stuhl von Herman Miller als Outdoor-Variante).

Outdoor-Design für jedes Wetter

Designunternehmen stellen Outdoor-Möbel nicht nur für schönes Wetter mit angenehmen Temperaturen her. Diese Möbel müssen längst mehr aushalten: von extremer Sonneneinstrahlung bis zu Regengüssen und Schnee. Vor allem in Stadtwohnungen ist nicht ausreichend Stauraum vorhanden, um die Möbel im Winter im Keller „einzumotten“ – deshalb bleiben sie ganzjährig im Freien. Wie kommt es also zum Trend Inside-out Design?

Zum einen hat dies mit einer immer geringeren Wohnfläche vor allem in urbanen Zentren zu tun und zum anderen mit neuen Hightech-Materialien, die zwar robust sind, sich jedoch ästhetisch nicht von anderen, empfindlicheren Materialien unterscheiden – sogar Ikea geht mehr und mehr zu einem schicken Outdoor-Lifestyledesign über. Zudem lässt sich das Inside-out Design auch auf die Tatsache zurückführen, dass immer mehr Menschen in den wärmeren Monaten ihren Urlaub gerne im eigenen Garten oder auf der Terrasse verbringen – auch diejenigen, die sich eine Reise leisten könnten.

Mit dem Begriff „Staycation“ wird genau diese Entwicklung beschrieben. Folglich wird das Zuhause so gemütlich wie möglich gemacht – und Tätigkeiten wie beispielsweise das Kochen werden nach draußen verlagert. Entscheidend hierfür ist das passende Mobiliar: So bietet z.B. der italienische Luxusküchenhersteller Boffi eine komplette Edelstahl- Küchenausstattung für den Außenbereich mit Namen K2 Outdoor an. Andere Unternehmen wie die bayerischen Weishäupl Werkstätten produzieren modulare Lösungen aus Holz, die auch im Innenbereich nicht deplatziert wirken würden.

Eroberung des öffentlichen Raums

Die wachsende Nachfrage nach privaten, gemeinschaftlichen und öffentlichen Grünflächen hat zudem dazu geführt, dass sich in den Innenstädten mehr Gemeinschaftsgärten und Community Spaces entwickelt haben. Dort kann man sich nicht nur im Freien entspannen und kommunizieren, sondern hat auch die Möglichkeit, miteinander zu kochen und mitunter sogar zu arbeiten.

Die neue Generation von Co-Working und Co-Living Spaces ist immer häufiger mit einem ansprechend designten Außenbereich ausgestattet. Mit großen, stylishen Terrassen versucht man die Menschen nicht nur für Pausen, sondern auch mal für ein Nickerchen unter freiem Himmel zu gewinnen. Und für die Stadtbewohner, die keinen unmittelbaren Zugang zu einer privaten Grünfläche haben, gibt es in verschiedenen Städten wie San Francisco, New York, Toronto, Auckland oder Seoul Freiflächen, die sich zwar in Privatbesitz befinden, jedoch für jeden zugänglich sind: sogenannte POPOS oder POPS, Privately-Owned Public (Open) Spaces.

In San Francisco weist sogar ein Beschilderungssystem den Bürgern den Weg zu einem Netz von öffentlich zugänglichen Bereichen in privater Hand. Dazu zählen Dachterrassen, Patios und selbst Gewächshäuser, die jeder nutzen darf. Gleichermaßen wie im privaten Innen- und Außenbereich erlebt die Möblierung des öffentlichen Raums eine Aufwertung: Im Trend liegen Sonnenliegen, Designer-Bänke und bequeme Sitzmöbel, wie sie im MuseumsQuartier oder entlang der Einkaufsmeile Mariahilfer Straße in Wien zu finden sind. „Gutes Design kann sich positiv auf das Verhalten auswirken“, sagt David Karasek von mmcité, einem der führenden Hersteller von Möbeln für den urbanen Raum. Hingegen fühlten sich die Leute schlecht behandelt, wenn die Straßen mit Billigmobiliar ausgestattet sind.

In Harmonie mit der gebauten Umgebung

Doch es wird nicht nur in ansprechendes Mobiliar für öffentliche Räume investiert. Auch Cafés und Restaurants werten ihre Bereiche für Außengastronomie auf. Längst passé sind dort billige, wackelige Stapelstühle und -tische aus Kunststoff, die unter hässlichen Sonnenschirmen mit aufdringlichem Werbeaufdruck nicht selten vergeblich auf Gäste warten.

Nehmen wir Lissabon als Beispiel: Die Hauptstadt Portugals hat gemeinsam mit dem Industriedesigner Pedro Sottomayor eine Strategie entwickelt, um die Innenstadt zu verschönern und den historischen Charakter zu bewahren. Die „Esplanadas“, Orte, an denen man im Freien essen kann, zählen zum Herz und zur Kultur der Stadt. Wer Außengastronomie anbieten möchte, kann aus einem von Sottomayor zusammengestellten Sortiment an Möbeln auswählen. Es enthält zwei schlichte Stuhltypen in sieben verschiedenen Farben, ein Windschutzsystem, Sonnenschirme, Heizstrahler, Tische bis hin zu Menütafeln. Die beliebten Promenaden werden somit durch eine unverkennbare Designsprache aufgewertet, die sich optimal in die vorhandene Architektur einfügt – bei der Farbauswahl wird z.B. kalkweiß und schwarz empfohlen, da das den Farben des Kopfsteinpflasters in der Altstadt entspricht. Somit wird auf das übliche Kunststoffsammelsurium verzichtet und eine harmonische und saubere City-Atmosphäre geschaffen.

Auch die tschechische Hauptstadt Prag lädt ihre Bürger mit einem System tragbarer Outdoor-Möbel ein, nicht genutzte Orte zu entdecken. Die leichtgewichtigen schwarzen Stühle und Tische sollen Bewohner und Besucher ermuntern, die Parks und Plätze nach eigenem Gusto zu nutzen.

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Dieser Artikel ist in folgenden Dossiers erschienen:

Dossier: Wohnen

Dossier: Wohnen

Weltweit steht die Bauwirtschaft vor Jahrzehnten spannender Aufgaben. Wir benötigen neue Mobilitäts-Infrastrukturen und Energie-Landschaften, Lösungen für partikulareres und gemeinschaftliches Wohnen - viel Raum für Planer und Verwirklicher.

Folgende Menschen haben mit dem Thema dieses Artikels zu tun:

Oona Horx-Strathern

Ihr Spezialgebiet ist die Zukunft des Wohnens. Als erfahrene Trendberaterin für große Unternehmen liefert Oona Horx-Strathern wertvolle Inspirationen – ebenso charmant wie visionär.