Zukunftsdesign für Schulen und Bildungseinrichtungen

Wie kann das Design von Schulen und Bildungseinrichtungen den künftigen Anforderungen an Bildung und Lehre gerecht werden? – Ein Auszug aus dem Home Report 2023 von Oona Horx Stathern.

Bild: Adobe iStock

Der Megatrend Wissenskultur verändert, was und wie wir wissen – und formt damit auch die Bildungsarchitektur. Kollaboration, Free Creativity, Co-Working und Open Knowledge sind Trends, die Bildungsstätten wie Kindergärten, Schulen und Hochschulen verändern. Bildung verfolgt in der heutigen Wissensgesellschaft einen anderen pädagogischen Ansatz als noch in Zeiten der Industrialisierung. Im Gegensatz dazu verändert sich der Anblick von Bildungsstätten, die immer die pädagogischen, kulturellen und sozialen Werte zum Zeitpunkt ihrer Erbauung spiegeln, nur langsam. Spannende Konzepte und Pilotprojekte zeigen aber bereits jetzt, wie Lernräume neu gedacht werden können.

Die Verbindung zwischen Bildung und Architektur lässt sich gut mit dem Begriff „Edutecture“ beschreiben. Dieser Trend zeigt sich in allen Lernbereichen, von Sportzentren über Universitäten bis hin zu Kindergärten, Forschungsinstitutionen oder Museen. Edutecture legt den Grundstein für die Zukunft – denn die Zukunft liegt in den Händen der jüngeren Generationen.

Lernräume und Wissensvermittlung sind miteinander verzahnt. Deshalb ist es wichtig, die Architektur von Bildungsgebäuden konstant zu hinterfragen – gerade im Kontext der unterschiedlichen Ziele, die Edutecture jetzt verfolgt, von Transparenz und Offenheit bis hin zu mehr Raum für Austausch, Ideen und Kreativität. Im Zuge der Realisierung neuer Bildungskonzepte und eines neuen Verständnisses von Bildung müssen auch die zugehörigen Räume weiterentwickelt werden. Wenn wir inklusivere Schulen schaffen wollen, müssen wir bestehende Raumstrukturen reflektieren und umgestalten, um die Übernahme von pädagogisch hinderlichen Wirkungsfaktoren zu vermeiden. Das Ziel einer solchen pädagogischen Architektur ist der Aufbau von Schulgebäuden, die eine zeitgemäße Bildung unterstützen. Es ist eine Form der Architektur, deren Beschaffenheit Schüler und Lehrerinnen gleichermaßen innerhalb sämtlicher Lern- und Lehrprozesse unterstützt.

Success Story Trendguide: Schulen der Zukunft

Trendguide für Schulen der Zukunft

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit beantwortete mit einer Auftragsstudie des Zukunftsinstituts Fragen rund um die Bildung von morgen.

Mit den vier Ls die Lernfähigkeit erhöhen

Die vier Ls Luft, Licht, Lärmqualität und Liebe sind in unseren Wohn- und Arbeitsräumen und auch im Bereich von Edutecture relevant für unser Wohlbefinden. Die Gestaltung von Lernräumen anhand der vier Ls kann zu einer besseren Lernatmosphäre führen.

Luft meint nicht nur Frische, sondern bezieht sich auch auf einen guten Platz zum Nachdenken, einen Balkon oder eine Terrasse. „Sich Luft verschaffen“ und „den Kopf durchlüften“ sind nicht nur schöne Redewendungen, sondern verweisen auf tatsächliche Bedürfnisse, die besonders während der Coronapandemie in Bildungsinstitutionen evident wurden. Auch der Einbau intelligenter Lüftungssysteme, die gewisse Parameter wie relative Luftfeuchtigkeit, CO2-Konzentration und Temperatur messen und sich automatisch einschalten, sobald Grenzwerte unterschritten werden, ist ratsam. Studien zeigen, dass bessere Luftqualität die akademische Leistungsfähigkeit stärkt – sowohl die Noten in Mathematik als auch die Lesekompetenz erhöhen sich, und die Aufmerksamkeit der Schülerinnen nimmt nachweislich zu.

Auswirkungen von Licht auf das Lernen

Ähnlich positive Effekte lassen sich auch in Bezug auf Licht erkennen, egal ob Innenbeleuchtung oder natürliches Licht. Dabei geht es weniger um das Sehen als vielmehr um das Denken, in etwa so, wie wenn einem „ein Licht aufgeht“. Bereits viele Studien haben sich mit den Auswirkungen von Licht auf den Gemütszustand und die Leistungsfähigkeit beschäftigt. Eine Studie stellte fest, dass helles Licht von circa 1500 lux reflektiertes Denken stärkt, da die bewusste Selbsterkenntnis gefördert wird. Unter gedimmten Lichtverhältnissen sind Menschen dagegen tendenziell experimentierfreudiger, kreativer und lösungsorientiert. Weitere Studien, die in Klassenzimmern mit biologisch optimierter Beleuchtung, also stärkerer und spektral angepasster Beleuchtung, durchgeführt wurden, zeigten, dass die Schüler aufmerksamer und konzentrierter waren sowie Aufgaben schneller und mit niedrigerer Fehlerquote erfüllten. Demnach kann bereits durch die Anpassung der Beleutung in Klassenzimmern oder anderen Bildungsräumen eine produktivere Arbeitsatmosphäre für Lernende geschaffen werden. Gleichzeitig wird deutlich, warum so viele Schulbauten auf große Fenster und Glasfronten setzen.


Ruhige Lernatmosphäre und liebevolle Gestaltung

Lärm oder Geräusche müssen nicht zwangsläufig etwas Negatives sein. Dennoch sollten Lautstärke, Geräuschqualität sowie individuelle Empfindlichkeiten bei der Gebäudeplanung berücksichtigt werden. Manche Menschen brauchen einen gewissen Geräuschpegel, um sich nicht gänzlich isoliert zu fühlen, andere wiederum brauchen komplette Ruhe, um produktiv arbeiten zu können. Mit offenen Lernräumen, beruhigenden Materialien wie etwa Hollz, mit angenehmen, abwechslungsreichen Lernatmosphären und wohnlich liebevoll gestaltetem Interior setzen Schulen und andere Bildungseinrichtungen, egal ob Neubau oder Umbau, neue architektonische Standards für Bildungslandschaften und revolutionieren die praktizierte Wissenskultur.

Digitale Komponenten der Lernarchitektur

Eine große Herausforderung im Megatrend Wissenskultur ist die Schließung des Digital Divide – also Unterschiede im Zugang zu und in der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien. Dieser hat sich in der Pandemie besonders deutlich gezeigt: Beim Homeschooling zum Beispiel waren die Kinder, deren Eltern Laptops und Hilfeleistung bei technischen Problemen stellen konnten, klar im Vorteil.

Auch in Zukunft muss hybrid und digital gedacht werden, was wiederum Auswirkungen auf die Lernarchitektur hat. Bei der Gestaltung hybrider Raumkonzepte ist es wichtig, das Digitale nicht ohne das Physische zu planen und umgekehrt, beide Welten müssen komplementär sein. Durch die hybride oder digitale Lehre entstehen neue, flexiblere und agilere Raumszenarien. Klassische Klassenräume oder Hörsäle, die darauf fokussiert sind, den Lehrenden zuzuhören und stur nach vorne zu schauen, verlieren zunehmend an Bedeutung.

Wie können wir in Zeiten der übergreifenden Vernetzung die Attraktivität des physischen Lernraums gegenüber virtuellen Räumen bewahren? Die richtige Balance zwischen ökologischen Anforderungen und digitalen beziehungsweise analogen Bedürfnissen zu finden, die das Lernverhalten und -vermögen positiv beeinflussen, stellen Architektinnen vor neue Herausforderungen, eröffnen aber auch neue Potenziale. Es liegt auch in den Händen von Edutecture, den Spagat zwischen dem Digitalen und Analogen zu meistern und das Digitale bestmöglich in die Bildungsräume – baulich oder mobil – zu integrieren. Technologien beschränken sich nicht mehr nur auf einen Computerraum, sondern sind im gesamten Bildungsgebäude präsent – in Klassenzimmern sowie auf Fluren und in Aufenthaltsräumen.

Architektur des neuen Lernens

Edutecture sieht in Zukunft eine Lernumgebung in Städten vor, die nicht als reiner Schulverbund aufgebaut wird, sondern aus einer Vielzahl von öffentlichen Einrichtungen wie Theatern, Konzerthallen und Sporteinrichtungen besteht, die allesamt mit der Schule verbunden sind. Darüber hinaus werden Schüler und Lehrerinnen vermehrt in den Entwicklungsprozess dieser neuen Bildungsstrukturen miteinbezogen. Kollaborativ entstehen neue Räume des Lernens, die zeitgemäße Lernatmosphären durch wissenschaftlich bewiesene Ansätze kreieren. Bildungseinrichtungen sind weit mehr als ein Raum, in dem ein pädagogisches Konzept vermittelt wird – der Raumaufbau und die Umgebung sind, wie bereits erwähnt, essenzieller Bestandteil des Lernens. Mit Edutecture entsteht die Zukunft von Bildung.

Worauf es bei Edutecture ankommt

  • Bildungseinrichtungen müssen sich neuen Anforderungen beugen, um mit dem Wandel zur Informations- und Wissensgesellschaft mithalten zu können.
  • Das Design für Bildung – den Sport und Schulen, Musik und Kindergärten gleichermaßen betreffend –, befindet sich im Umbruch. Innovative, spielerische und anregende Architektur, die soziale und ökologisch nachhaltige Bildungswelten erschafft, prägt die Entwicklung lernender Personen.
  • Offenheit, Transparenz, Kreativität, Gemeinschaft und Kooperation – das sind Schlüsselwörter, die dem Auftrag des Begriffes Edutecture nachkommen. Sie spiegeln sich in der Architektur, Raumaufteilung und Materialauswahl von Bildungsinstitutionen wider.
  • Fortschritte der Neuroarchitektur, wie der Einfluss von Luft, Licht und Geräuschen auf das menschliche Wohlbefinden, revolutionieren die Art und Weise, wie Bildung umgesetzt wird und Bildungsräume aufgebaut werden.
  • Edutecture kann gesellschaftliche Herausforderungen meistern: Indem Bildungseinrichtungen so gebaut und gestaltet werden, dass sie soziale Interaktion und Gleichberechtigung sowie Gesundheit und Nachhaltigkeit fördern, können sie zu einer besseren Welt beitragen.
Oona Horx Strathern

Oona Horx Strathern

Oona Horx Strathern ist Expertin für Architektur, Stadtentwicklung, soziodemographischen Wandel sowie für das Verhältnis zwischen Emotionen und Technologie.


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