Wie Schlüsselemotionen in Unternehmen Resonanz auslösen

Wir beschreiben in unserer Studie "Siegeszug der Emotionen" Schlüsselemotionen, die den Grundton in jedem Unternehmen ausmachen – was ist Ihre Meinung dazu?

So etwas wie Schlüsselemotionen in Unternehmen gibt es zweifellos. Diese sind ab dem ersten Kontakt mit dem Unternehmen spürbar. Ganz egal, mit wem man Kontakt hat – sei es mit dem Vorstand, mit dem oberen Management, der HR-Abteilung oder Personalvertretung: Wenn man gelernt hat, genau zuzuhören und auch auf die scheinbaren Nebensätze zu achten sowie auf die Mimik und Körpersprache, dann löst das in einem selbst Resonanz aus. Wenn man wahrnehmen kann, welche Resonanz in einem selbst ausgelöst wird, dann hat man schon einen guten Hinweis darauf, welche Emotionen „Das Gute hat eine natürliche Tendenz, dass es sich entfalten möchte.“ im Raum umherschwirren. Bin ich auf einmal verspannt, fühle ich mich unter Druck oder bin ärgerlich? Oder hat etwas meine Neugierde geweckt und ich wende mich zu? Entspanne und öffne ich mich? Oder bleibt alles gar auf eine diffuse Art und Weise ungreifbar? Diese Aspekte kann man sehr schnell wahrnehmen, und sie prägen die Kultur des Zusammenarbeitens in Unternehmen natürlich stark.

Wie wirken Emotionen auf persönlicher wie organisationaler Ebene?

Emotionen sind hochgradig ansteckend – bei negativen Emotionen kann ich diese Tatsache als Krankheit betrachten, bei positiven als etwas Gesundheitsförderndes. Wichtig ist immer, dass sie ehrlich sind, denn das erkennt unser Unterbewusstsein in der ersten Millisekunde.

Welche Wirkung haben negative Emotionen in Unternehmen?

Diese Emotionen können sehr schnell zerstörerisch wirken, vor allem wenn sie nicht angesprochen, sondern unter Verschluss gehalten werden. Ich kann nur etwas verändern, von dem ich weiß. Wenn ich davon nichts wissen darf, dann kann ich es nicht ändern. Die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann hat den Satz gesagt: „Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar.“ Sowohl in der Einzelberatung als auch in der Unternehmensberatung liegt hier der erste wichtige Schritt: anzuerkennen, was ist. Jeder von uns trägt bessere oder schlechtere Seiten in sich, das gilt auch für Unternehmen. Ich erlebe sehr häufig Situationen, in denen die schlechten Seiten gefördert werden – manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Meine Arbeit besteht darin, die guten Anteile relativ gnadenlos zu fördern.

Müssen manche Emotionen im Unternehmen also von vornherein ausgeklammert werden?

Je reifer eine Organisation und je reifer die Menschen innerhalb einer Organisation, desto weniger Emotionen muss ich ausschließen. In einer reifen Gemeinschaft kann nahezu alles Platz haben, und das Ganze wird dadurch im Zweifel sogar reichhaltiger. Wenn man als Unternehmen viel über sich selbst reflektiert, gibt es auch weniger Tabus.

Was sind die wichtigsten Aspekte, um negative Emotionen in Unternehmen in positive umzuwandeln?

In einem Unternehmen, in dem Druck und Verunsicherung herrschen, ist ein wichtiger Schritt, dass sich die Menschen ernst genommen fühlen und dass man ihnen zuhört. Zuhören alleine ist schon eine große Intervention, um das Gute zu fördern. Dieses Gute hat eine natürliche Tendenz, dass es sich entfalten möchte. Arbeitsstrukturen und Formen der Zusammenarbeit sollten im Zweifel so verändert werden, dass die Menschen ihrem natürlichen Bestreben, sinnvoll und effizient und unter menschlichen Bedingungen zu arbeiten, wieder nachgehen können. Das fördert die positiven Grundemotionen.

Welchen Vorteil bringt es einem CEO, sich neben den Zahlen, der Unternehmensstrategie und den Veränderungen auf den Märkten auch noch mit den Emotionen innerhalb des Unternehmens auseinanderzusetzen?

Wenn ich unternehmerisch und damit nachhaltig denke, dann komme ich nicht umhin, die positiven Emotionen zu fördern – quantitativ wie qualitativ. Jede psychologische Untersuchung zu den Themen Leistungsfähigkeit und Lernen zeigt, dass diese mit positiven, motivierenden und förderlichen Emotionen viel besser funktionieren. Und: Ich bekomme durch ein positives Klima Zugang zu einer unglaublichen Quelle des Wissens. Unser Gehirn nimmt Dinge bewusst und unbewusst wahr – mit unserer bewussten Wahrnehmung können wir 40 Bit pro Sekunde verarbeiten, mit unserer unbewussten Wahrnehmung ungefähr 11 Millionen Bit pro Sekunde. Mit dem Wissen des Managements im Unternehmen und dem bewussten und unbewussten Wissen der Mitarbeiter über das Unternehmen verhält es sich in der Quantität ähnlich. Wenn ich mir also das kollektive Unterbewusstsein des Unternehmens, zu dem auch die ausgesprochenen sowie unausgesprochenen Emotionen zählen, zugänglich machen kann, dann eröffne ich mir eine wesentlich umfangreichere und ganzheitlichere Basis für Entscheidungen. Das gelingende Unternehmen versucht, Bewusstsein und Unterbewusstsein in Balance zu bringen, um beide Quellen zu nutzen. Das Management fokussiert sich meistens nur auf das bewusste Wissen der Organisation.

Das gesamte Interview mit Wolfgang Lalouschek erschien in der Studie „Siegeszug der Emotionen – Erfolgreich in die intensivste Wirtschaft aller Zeiten“. Darin erklärt Lalouschek außerdem, wie es gelingt, eine echte organisationale Vertrauenskultur auf- und auszubauen und wie für alle Beteiligten eine Win-win-Situation hergestellt werden kann.

Wolfgang Lalouschek

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Lalouschek Wolfgang Lalouschek ist medizinischer Leiter des interdisziplinären Gesundheitszentrums The Tree und der The Tree Consulting und hat mit seinem Team die HealthBased-Management-Methode entwickelt, um die Gesundheit und das Engagement von Mitarbeitenden in Unternehmen zu fördern.

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