Future People: Die Biohacker

Welche cleveren Köpfe inspirieren und weisen uns den Weg in die Zukunft? Wer sind die Helden für ein besseres Morgen? Lernen Sie die Future People kennen! In diesem Teil: Die Biohacker. – Ein Auszug aus dem Zukunftsreport 2019.

Illustration: Benedikt Eisenhardt

Die Geschichte der Medizin ist auch eine Geschichte der Miniaturisierung. Je grundlegender die Strukturen werden, die der Mensch versteht, desto größer wird der Einfluss, den er auf den Körper nehmen kann. Mit neuen Methoden wie der Genschere CRISPR/Cas, mit deren Hilfe man gezielt das Erbgut verändern kann, immer genaueren Mess- und Bildgebungsverfahren und leistungsfähigeren Computern wird heute realisierbar, was vor Kurzem noch utopisch schien: Die Biologie wird auf kleinster Ebene verständlich, und der Code des Lebens kann immer öfter gehackt werden. Visionäre Wissenschaftler machen sich die neuen Möglichkeiten zunutze – und verschieben die Grenzen des Machbaren jeden Tag ein Stück weiter.

Frances H. Arnold

Die Biochemikerin und frisch gekürte Nobelpreisträgerin arbeitet an einer Revolution der Chemie: Statt mit komplizierten, manuellen Reaktionsschritten, die viele Abfallprodukte erzeugen und seltene Rohstoffe verbrauchen, sollen in Zukunft Enzyme, die in Bakterien gezüchtet werden, chemische Reaktionen steuern. Schon heute werden nützliche Chemikalien direkt in lebenden Organismen hergestellt – was nicht nur deutlich umweltfreundlicher ist, sondern auch kosteneffizienter.

Jimmy Lin

Je früher Krebs erkannt wird, desto besser ist er behandelbar. Der Biomediziner Jimmy Lin hat gemeinsam mit dem Unternehmen Natera einen unkomplizierten Bluttest entwickelt, der Tumor-DNA im Blut von Patienten aufspüren kann. Damit konnte in ersten Studien Krebs ganze 100 Tage früher erkannt werden als mit den herkömmlichen Methoden. Die Technik hat das Potenzial, die Krebsvorsorge nachhaltig zu vereinfachen.

Luhan Yang

Tiere als Organspender für Menschen: Diese Vision verfolgen die Humanbiologin Luhan Yang und das von ihr mitgegründete Unternehmen eGenesis. Dabei sollen Tierzellen so verändert werden, dass sie vom Immunsystem nicht mehr als körperfremd wahrgenommen werden. So gelang es bereits, Viren-DNA im Erbgut von Schweinen zu entfernen – bislang eines der größten Hindernisse für Transplantationen. Eine Hoffnung für Tausende Patienten, die allein in Deutschland auf ein Spenderorgan warten.

Kyros Kyrou

Malaria fordert jedes Jahr mehr als 400.000 Todesopfer. Einziger Überträger der Krankheit ist die Anopheles-Mücke. Mit CRISPR haben der Mikrobiologe Kyros Kyrou und sein Team am Imperial College London die DNA der Mücken im Labor so verändert, dass alle weiblichen Nachkommen unfruchtbar sind. Die Folge: Die gesamte Population bricht zusammen. Malaria könnte auf diese Art bald der Vergangenheit angehören – allerdings auch die Anopheles-Mücke.

Hasini Jayathilaka

Wenn ein Tumor Metastasen bildet, sinken die Heilungschancen rapide. Aber warum streuen Tumore? Die Biologin Hasini Jayathilaka hat mit ihrer Arbeitsgruppe an der Stanford University herausgefunden, dass Krebszellen über Botenstoffe miteinander kommunizieren – und dass eine Hemmung dieser Stoffe die Bildung von Metastasen effektiv behindert.

Ines Swoboda

Medizinischer Fortschritt wird vielfach mit dem Leid von Versuchstieren bezahlt. Ines Swoboda forscht für den Wandel: Am FH Campus Wien entwickelt die Biologin menschliche Zellkulturen, die einige komplexe Systeme des Körpers effektiv nachbilden können. So soll der Bedarf an Tierversuchen deutlich reduziert werden. 

Ein Auszug aus dem Zukunftsreport 2019.

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Megatrend Individualisierung

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