Future People 2021: Die Digital-Ehtikerinnen und -Ethiker

Immer mehr kluge Köpfe kämpfen dafür, dass wir bei all den rasanten technologischen Weiterentwicklungen im Zuge der digitalen Transformation niemals den Menschen aus dem Blick verlieren. Ihr Credo lautet: Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz (KI) beziehungsweise AI (Artificial Intelligence) dürfen uns nicht beherrschen, sondern wir müssen sie so einsetzen, dass die gesamte Menschheit von ihr profitiert. – Ein Auszug aus dem Zukunftsreport 2021.

Illustrationen: Sabrina Katzenberger

Branka Panic

Die Gründerin und Vorständin der gemeinnützigen Organisation AI for Peace mit Sitz in San Francisco will einen konstruktiven Dialog zwischen Wissenschaft, Industrie und Zivilgesellschaft schaffen. Das Ziel: die Risiken der KI für Menschenrechte, Demokratie und die menschliche Sicherheit minimieren – und den Nutzen maximieren, zum Wohle der Menschheit.

Max Schrems

Der österreichische Jurist, Datenschutzaktivist und Gründer der Datenschutz-NGO NOYB (None of your business) – Europäisches Zentrum für Digitale Rechte ist ein Vorreiter im Kampf für den Schutz der Privatsphäre. Auf seine Beschwerde hin kippte der Europäische Gerichtshof den „EUUS Privacy Shield“, eine datenschutzrechtliche Absprache zwischen der EU und den USA, da personenbezogene Daten in den USA nicht ausreichend vor den Behörden geschützt sind. Das Urteil ist deshalb auch unter der Bezeichnung „Schrems II“ bekannt.

Timnit Gebru

Die Informatikerin setzt sich für Vielfalt in der Technologie ein. Gebru ist Mitbegründerin von „Black in AI“, einer Gemeinschaft schwarzer KI-Forscherinnen und -Forscher. Mit ihrer Arbeit lenkt sie das Augenmerk auf rassistische Algorithmen und die ethischen Dilemmas von Data-Mining-Projekten und KI. Wie wichtig ihr Einsatz ist, zeigt nicht zuletzt das jähe, unschöne Ende ihres Engagements als technische Co-Leiterin des „Ethical Artificial Intelligence“-Teams von Google. Die kulturellen Einblicke, die Gebru nach ihrem Rauswurf gibt, verdeutlichen, wie weit ihr Weg und der ihrer MitstreiterInnen noch ist. „Im Moment ist es sehr schwer zu glauben, dass irgendjemand unter diesen Bedingungen echte Forschungsarbeit leisten kann“, sagt Gebru, für die es aktuell ausgeschlossen ist, dass sich die Tech-Giganten hinsichtlich ethischer Themen selbst regulieren können: „Sie haben die richtigen Dinge nicht getan und sie werden sie nicht tun.“

Prof. Markus Gabriel

Deutschlands derzeit bekanntester Gegenwartsphilosoph weckt Skepsis gegenüber einer hemmungslosen Digitalisierung und den Effekten von KI auf das menschliche Miteinander. In seinem Buch „Moralischer Fortschritt in dunklen Zeiten“ macht er klar: Es gibt universale, nicht verhandelbare Grundwerte, die für alle Menschen gelten und moralischen Fortschritt ermöglichen – wenn wir Technologie reflektiert nutzen.

Jeff Orlowski und Larissa Rhodes

Der Regisseur und die Produzentin der 2020 erschienenen Netflix-Dokumentation „The Social Dilemma“ beleuchten die Schattenseiten der sozialen Medien. In ihrem Film lassen sie ehemalige Beschäftigte von Google, Facebook, Reddit und Twitter zu Wort kommen, die darüber aufklären, wie es den Digitalgiganten gelingt, die Nutzerinnen und Nutzer abhängig zu machen. Die beunruhigende Botschaft der Dokumentation: Solange die Konsumierenden nichts für die Nutzung sozialer Medien bezahlen müssen, sind sie – und ihre Daten – selbst das Produkt.


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