Future People 2021: Die Neo-Humanisten und –Humanistinnen

Der Humanismus beschreibt die Grundüberzeugung, dass Menschen zu Vernunft und Lernprozessen in der Lage sind, obwohl oder gerade weil sie irrende Wesen sind. Die neuen Humanistinnen und Humanisten widersprechen dem düsteren Menschenbild unserer Tage, indem sie den Fortschrittsprozess aus der Zukunft heraus neu interpretieren.– Ein Auszug aus dem Zukunftsreport 2021.

Illustrationen: Sabrina Katzenberger

Scott Barry Kaufman

Pünktlich zur Corona-Krise hat der amerikanische Ganzheitspsychologe ein neues Buch über den Human Mind veröffentlicht. In „Transcendent“ beschäftigt Kaufman sich mit der Maslow-Pyramide, die die menschlichen Grundbedürfnisse in Schichten aufteilt, und entwickelt sie weiter in Richtung eines dynamischen Modells. Dieses neue Modell definiert den Menschen als Wesen, das über sich hinauswachsen will, aber dabei durch Irrtümer und – na, was wohl – Krisen gehen muss.

Rutger Bregman

Der Niederländer ist einer der profiliertesten Denker für einen neuen Humanismus. Sein Buch „Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit“ knüpft an die Werke von Kognitions-, Emotions- und Verhaltensforschern an, etwa Jonathan Haidt („The Righteous Mind“), Simon Baron-Cohen („Zero-Degrees of Empathy“), Robert Sapolsky („Behave“) oder Richard Wrangham („The Goodness Paradox“). Damit hat sich Bregman, der zuvor als Journalist und Publizist bei De Correspondent, einer Plattform für konstruktiven Journalismus, arbeitete, in der neuen Humanismusdebatte ganz nach vorn gebracht.

Maja Göpel

Die gegenwärtig einflussreichste Ökonomin Deutschlands und Mitbegründerin der Scientists-for-Future-Bewegung fragt in ihrem Bestseller „Unsere Welt neu denken“, wie sich eine Lebensweise etablieren lässt, die das Wohlergehen des Planeten und der Menschheit schützt. Göpel plädiert für einen Mittelweg zwischen Verbotsregime und grenzenloser Freiheit. Auch in ihrer neuesten Rolle als wissenschaftliche Direktorin des frisch gegründeten The New Institute in Hamburg setzt sie sich für eine bessere und nachhaltigere Zukunft ein.


Johan Norberg

In seinem aktuellen Buch „Open. The Story of Human Progress“ interpretiert der norwegische Schriftsteller und Philosoph die Menschheitsgeschichte als eine Evolution der Offenheiten – ein Gegenstück zu Yuval Noah Hararis eher linearer Geschichtserzählung. Die Botschaft: Gesellschaften, die sich für neue Ideen und Begegnungen öffnen, entwickeln sich weiter. Diejenigen, die sich abkapseln, stagnieren dagegen und erliegen dem langsamen Verfall.

Douglas Rushkoff

Der ehemalige Protagonist der Cyberpunk-Bewegung stammt ursprünglich aus dem Herzen des digitalen Utopismus, hat aber eine erstaunliche Wandlung hinter sich gebracht. Mit seinem Manifest „Team Human“ widerspricht er massiv den hypertechnologischen Träumen des Silicon Valley und plädiert für einen neuen Humanismus jenseits des Digitalismus.

Melisa Erkurt

Die muslimische Journalistin und Publizistin, die 1992 als Flüchtlingskind aus dem Balkan nach Wien kam, ist aktuell für die ORF-Sendung „Report“ tätig. In ihrem 2020 erschienenen Buch „Generation Haram“ schafft Erkurt ein Bewusstsein für die Benachteiligungen migrantischer Kinder in einer exkludierenden Mehrheitsgesellschaft. Ihre Botschaft: Das humanistische Bildungsideal einer Veredelung des Menschen darf nicht nur das Privileg bestimmter Gruppen sein, sondern muss allen gleichermaßen offen stehen.


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