Die Generation Corona

Tristan Horx skizziert die veränderte Welt derer Menschen, die während oder nach der Corona-Krise geboren werden. Ein Auszug aus dem Zukunftsreport 2021.

Ein fremdartiges, neues Virus ist auf der globalen Bildfläche erschienen. Zuerst können wir es kaum glauben, Regierungen streiten seine Existenz ab, und überhaupt ist das Ganze doch nicht viel schlimmer als ein Husten. Doch langsam wird die Lage brenzlig. Um die Übertragung zu hemmen, wird der öffentliche Raum lahmgelegt, Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen werden verordnet. Das Leid und die zum Stillstand gekommene Wirtschaft münden in eine tiefe Krise – und schließlich in einen weiteren Weltkrieg ... Kommt Ihnen das bekannt vor? Die Spanische Grippe, auch bekannt als die „vergessene Pandemie“, wütete vor 100 Jahren, zwischen 1918 und 1920. Doch auch wenn die Beschreibung dem aktuellen Verlauf der Corona-Pandemie ähnelt: Im Jahr 2020 haben wir einiges aus der Geschichte gelernt. Wir re(a)gieren nicht nur anders auf die Gefahr, um die nächste, noch schlimmere Krise zu vermeiden. Wir hinterfragen auch die Art und Weise, wie wir bislang gelebt und gewirtschaftet haben.

Dabei bringt die traumatische Krisenerfahrung der Pandemie eine neue Generation hervor – die Generation Corona. Gemeint sind nicht diejenigen, die heute, während der Krise, jung sind, sondern diejenigen, die während oder nach der Corona-Krise „Der Wiederaufbau nach Corona ist zugleich eine große Korrektur bisheriger Irrwege.“ geboren werden und die Post-Corona-Welt neu entdecken und gestalten. Für diese Gen C scheint das alte gesellschaftliche Versprechen „Die nächste Generation hat es besser als die vorherige“ zunächst noch unerreichbarer als schon für die Generationen Y und Z. Doch der Wiederaufbau nach Corona ist zugleich eine große Korrektur bisheriger Irrwege: Er folgt der Maxime „Qualität statt Quantität“ – mehr Lebensqualität und Nachhaltigkeit, weniger Wachstumswahn und Umweltblindheit. Mehr Zukunftspotenziale.

Die Aufgabe der Generation Corona wird es sein, diesen neuen Evolutionspfad mit Leben und Energie zu füllen:

  • 2030 wird diese Generation in Schulen gehen, in denen digitaler und analoger Unterricht nahtlos ineinander übergehen und die Lehrerinnen und Lehrer für ein persönliches Coaching online gut erreichbar sind. Sie wird Nutznießer dessen sein, was man vielleicht den „Post-Corona-Innovationsboom“ nennen wird.
  • 2040 wird diese Generation langsam in ein Arbeitsleben hineinwachsen, das sich völlig gewandelt hat. Die „Festanstellung“ ist Geschichte, aber ebenso das Ausbeutungspraktikum. Kreatives Lernen ersetzt das, was wir früher „Arbeit“ nannten. Das Berufsleben wird offener, vielfältiger und „talenthafter“ sein, ausgerichtet an den jeweiligen Stärken und Lebenssituationen.
  • 2050 wird diese Generation an den Schlüsselstellen der postfossilen Wirtschaft auftauchen und die große Wende vollenden, in der die globale Erderhitzung endgültig abgeflacht wird – so wie 30 Jahre zuvor die Viruskurve. Roboter werden dann bessere Roboter sein. Und Menschen humanere Menschen.  

Reine Utopie? Wunschdenken? Mal sehen. Die Zukunft bleibt offen, gerade jetzt.



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